HOME

Hintergrund: Sudan - gezeichnet vom Krieg

Sudan ist das größte Land Afrikas und etwa sieben Mal so groß wie Deutschland. Der Nil durchzieht das Land wie eine Lebensader.

Im Norden ist Wüste, der Süden ist in weiten Teilen eben und fruchtbar. Im Landesinneren gibt es die gut 1000 Meter hohen Nubaberge. "Sudan" bedeutet übersetzt "Land der Schwarzen". Die knapp 40 Millionen Menschen zählen zu den ärmsten des Kontinents. Etwa 70 Prozent sind Muslime, ein Viertel sind Anhänger des Animismus (Naturreligion) und fünf Prozent Christen.

Sudan ist reich an Rohstoffen. Außer Gold, Baumwolle und Gummi Arabicum spielt vor allem Öl eine wichtige Rolle. Nach Informationen der US-Regierung verfügt Sudan über ein Ölvorkommen von mindestens 560 Millionen Barrel. Neue Ölfelder könnten bis zu zwei Milliarden Barrel bergen - eher wenig im Vergleich zu den mehr als 100 Milliarden Barrel im Irak. Seit dem Bau einer Pipeline zum Roten Meer Ende der 90er Jahre ist die Wirtschaft des Landes enorm gewachsen. Der Öl-Export macht inzwischen knapp drei Viertel des Exporteinkommens aus.

Abgesehen von zehn friedlichen Jahren

in den 70ern gab es in Sudan seit der Unabhängigkeit 1956 immer Bürgerkrieg. Der Streit um die Öleinkünfte hat den lange schwelenden Konflikt zwischen der islamistischen Regierung und dem christlich-animistischen Süden, der sich gegen die Einführung islamischer Rechtsprechung wehrte, drastisch verschärft. Bislang hat von dem Ölboom nur Khartum profitiert. In 21 Kriegsjahren kamen etwa zwei Millionen Menschen ums Leben, vier Millionen wurden vertrieben.

In zwei Jahre dauernden Verhandlungen haben Nord und Süd sich mittlerweile auf Grundlinien einer friedlichen gemeinsamen Zukunft geeinigt. Doch der umfassende Friedensvertrag steht noch immer aus.

Parallel zur Annäherung

zwischen Nord und Süd ist im Westen des Landes ein weiterer Konflikt aufgebrochen. Im Hintergrund stehen Spannungen zwischen afrikanischstämmigen Volksgruppen, die Ackerbau betreiben, und arabischstämmigen Nomaden. Zwei Rebellengruppen fordern eine größere Beteiligung der Schwarzafrikaner am Wohlstand des Landes. Doch die Regierung geht mit Hilfe arabischer Reitermilizen so brutal gegen die Aufständischen vor, dass mittlerweile mehr als eine Million Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wurde.

Themen in diesem Artikel