Hussein-Prozess "Frauen und Kinder lebendig begraben"


Der irakische Ex-Diktator Saddam Hussein versucht weiterhin, den Prozess gegen sich zu sabottieren. An diesem Verhandlungstag ließ sich der Zeuge jedoch nicht irritieren und sagte detailliert aus.

Im Prozess gegen den ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein und sieben seiner Getreuen haben sich Anwälte, Angeklagte, Richter und Zeugen am Mittwoch gegenseitig scharf attackiert. Das Sondertribunal kritisierte zugleich die US- Armee, weil diese am vergangenen Wochenende zwei Dutzend ehemalige Größen des Saddam-Regimes aus einem Militärgefängnis freigelassen hatte, ohne die Richter zu konsultieren. Unter ihnen waren auch die einst in Saddams Waffenforschung tätigen Wissenschaftlerinnen Rihab Taha und Hoda Ammasch, genannt "Doktor Bazillus" und "Doktor Milzbrand".

Saddam bezeichnete den Vorsitzenden Richter Risgar Mohammed Amin am Mittwoch als "Richter der amerikanischen Besatzer in Bagdad." Als der Zeuge Ali al Haidari (37) berichtete, wie er und seine Familie aus der Kleinstadt Dedscheel von Saddams Schergen einst gefoltert und gedemütigt worden waren, rief Saddam dazwischen, er wolle nun sein Gebet verrichten. Der Richter ging nicht darauf ein.

Lebendig begraben

Al Haidari sagte unter anderem aus, mehrere Frauen und Kinder aus seiner Heimatstadt seien in der Nähe eines Wüstengefängnisses in Samawa lebendig begraben worden. Er erklärte, Saddams ebenfalls angeklagter Halbbruder Barsan al Tikriti habe die Folter der Menschen 1982 überwacht, nachdem ein Attentat auf Saddam in Dedscheel fehlgeschlagen war. Sieben seiner Brüder seien hingerichtet worden. Al Tikriti behauptete, al Haidari habe zu den Attentätern gehört.

Mehrfach unterbrach Barsan - ein Halbbruder Saddams - den Zeugen. Zwei Mal wurde Barsan damit gedroht, dass Sicherheitskräfte ihn aus dem Verhandlungssaal entfernen. Als Haidari dem ebenfalls angeklagten Ex-Vizepräsidenten Taha Jassin Ramadan vorwarf, an der Zerstörung von Bauernhöfen in Dudschail schuld gewesen zu sein, schrie Barsan dem Zeugen entgegen: "Sein Schuh ist ehrenhafter als Du und Dein ganzer Stamm, Du Hund." Haidari gab an, dass Saddam zwar nicht direkt an den Folterungen beteiligt gewesen sei. Er sei jedoch schuldig, da er die Taten angeordnet habe. "Zu der Zeit hat niemand von sich aus gehandelt, außer es gab Befehle von Saddam. Ich mache Saddam direkt dafür verantwortlich, mich und meine Familie gefangen gehalten und meine Zukunft runiniert zu haben."

Saddam nahm mit einem Lächeln auf den Lippen auf der Anklagebank Platz, nachdem er bei der vorangegangenen Sitzung die Teilnahme verweigert hatte. In seiner Heimatstadt Tikrit protestierten Saddam- Anhänger gegen den Prozess. Vor der Wiederaufnahme des Verfahrens hatte Richter Amin Kritik an seiner Prozessführung zurückgewiesen. Er sei unabhängig und sorge dafür, dass das Verfahren "juristisch korrekt" ablaufe. Deshalb werde er sich von der Kritik einiger Politiker und Medien nicht beirren lassen, sagte Amin der arabischen Zeitung "Al Hayat".

"Den Richtern fehlt die Kompetenz"

Kritik an den Richtern des Sondertribunals äußerte auch Justizminister Abdul Hussein Schandal. Er erklärte: "Den Richtern, die diese Sitzungen leiten, fehlt die Kompetenz." Es sei schlecht, wenn sich Amin mit den Angeklagten über Verfahrensfragen streite und wenn einige Angeklagte Richter und Staatsanwalt beschimpften.

"Ich wurde am ganzen Körper geschlagen"

Saddam Hussein erklärte, er und mehrere Mitangeklagte seien in US-Haft geschlagen worden. "Ich wurde am ganzen Körper geschlagen", sagte Saddam vor dem Sondertribunal in Bagdad. Der mitangeklagte Ex-Vizepräsident Taha Jassin Ramadan sagte, er sei mehrere Tage lang täglich mit eiskaltem Wasser übergossen worden. Man habe ihm eine Tüte über den Kopf gezogen.

Unterdessen starb am Mittwoch bei einem Attentat auf einen hochrangigen Beamten des Landwirtschaftsministeriums in Bagdad einer seiner Leibwächter. Der Beamte erlitt schwere Verletzungen, als sein Konvoi von Aufständischen beschossen wurde. Bei der Explosion einer Bombe, der offenbar eine US-Militärpatrouille treffen sollte, kam in Bagdad ein Zivilist ums Leben. Ein Iraker starb bei Gefechten zwischen der Polizei und Aufständischen im Vorort al Dura. Laut Polizei starb in Bakuba ein Zivilist, als Bewaffnete einen Kleinbus mit Bauarbeitern angriffen, die in einem US-Stützpunkt gearbeitet hatten. Die US-Armee berichtete, einer US-Soldat sei am Montag in Bagdad getötet worden. Am selben Tag hätten US-Soldaten südlich von Bagdad neun Extremisten getötet, die während der Razzia eine Geisel erschossen hätten.

DPA/Reuters DPA Reuters

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