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Diskussion nach Facebook-Post Burkini-Verbot - Aber warum dürfen Nonnen an den Strand?

Die Nonnen am Strand baden nicht wirklich. Dennoch löste das Bild in Italien eine Diskussion über das Burkiniverbot aus.
Die Nonnen am Strand baden nicht wirklich. Dennoch löste das Bild in Italien eine Diskussion über das Burkiniverbot aus.
© Izzeddin Elzir/Facebook
Ein Iman aus Italien postete ein Bild von Nonnen am Strand – in vollem Habit. Warum soll das erlaubt sein, der Burkini aber nicht, fragt sich nun Italien.

Ganz Europa diskutiert derzeit über die Verschleierung. Am weitesten preschten mehrere französische Städte vor, darunter Cannes und Nizza. Sie verboten den Burkini an ihren Stränden. Eine Entscheidung, die umstritten ist. Einerseits werden Frauenrechte für das Burkiniverbot ins Feld geführt, tatsächlich ist es religiösen Musliminnen dort nun nicht mehr möglich, baden zu gehen.

Burkini-Verbot und Nonnen am Strand

Ein interessanter Beitrag zur Debatte kommt von einem Imam aus Italien. Izzeddin Elzir, Präsident der Vereinigung der muslimischen Gemeinde in Italien, postete ein Foto mit sieben Nonnen am Strand auf Facebook. Ohne weiteren Kommentar. Ganz absichtlich. Denn er wollte weder Nonnen mit Musliminnen noch die Kleidungsstücke direkt miteinander vergleichen, sagte er "La Nazione". Auf dem Bild ist auch deutlich zu erkennen, dass die Nonnen nicht im Habit baden gehen, sondern nur ein Fußbad genießen.

Imam wurde getrollt

Die lebhafte Diskussion unter dem Bild wurde leider rüde unterbrochen. Denn der Facebook-Account wurde gesperrt. Der Imam wurde Opfer einer Troll-Attacke, wie er beschreibt: Offenbar hatte ihn jemand bei Facebook angeschwärzt. "Da hat jemand Facebook geschrieben, dass ich das gar nicht ich bin, dass die Identität des Accounts gefälscht sei. Darum wurde das Profil gesperrt. Vor dem Freitagsgebet habe ich dann eine Kopie meines Ausweises geschickt,  um zu beweisen, dass das Profil mir gehört." Das ist ein typisches Manöver. In erhitzten Debatten werden "generische" Profile häufig lahmgelegt, indem angebliche Identitätsdiebstähle oder Verletzungen des Urheberrechtes behauptet werden. Nachdem die Identität des Imams geklärt war, wurde der Account wieder freigeschaltet.  "Es ist absurd, dass man in Zeiten der Dauerkommunikation so ein Foto als Bedrohung ansieht. Es lädt doch nur zum Nachdenken ein," sagt Izzeddin Elzir.

Unterstützung von Christen

Den Imam freut die Tatsache, dass die meisten positiven Kommentare auf seinen Post von Christen kommen. Das Argument, dass die Nonnen freiwillig ins Kloster gehen, die Trägerin des Burkinis gezwungen würden, lässt Izzeddin Elzir, nicht gelten. "Zu unterstellen, dass muslimische Frauen unterwürfig sein sollen, verletzt die Frauen. Wir sind alle frei geboren, auch die muslimische Frau ist frei. Aber was ist das für eine Freiheit, wenn man ihnen die Freiheit nimmt, sich so zu kleiden, wie sie wollen."  Izzeddin Elzir, der selbst auch als Designer arbeitet und viel mit Mode zu tun hat, hält allerdings auch nichts von einem Zwang zur Verschleierung. "Natürlich darf die islamische Frau sich anziehen wie sie will", sagt der Imam.


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