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Irak: Al Kaida bekennt sich zu Attentat auf Parlament

Der Terrornetz Al Kaida hat sich zu dem Selbstmordattentat in Bagdads streng bewachtem Parlamentsgebäude bekannt. Bei dem Anschlag waren mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen.

In der schwer bewachten "Grünen Zone" in Bagdad hat ein Selbstmordattentäter am Donnerstag im Gebäude des irakischen Parlaments drei Abgeordnete und vier Parlamentsangestellte mit in den Tod gerissen. Zehn weitere Iraker wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak verletzt, als der Attentäter nach einer Sitzung der Abgeordneten in der Parlamentskantine seinen Sprengstoffgürtel zündete. Zu dem Anschlag bekannte sich nach einem Bericht des US-Nachrichtenmagazins "Time" das Terrornetz Al Kaida.

Laut "Time" erschien innerhalb einer Stunde nach der Explosion auf der Website "muslim.net" ein Schreiben, in dem die von Al Kaida kontrollierte Organisation "Islamic State in Iraq" (Islamischer Staat im Irak) den Anschlag als eine "Botschaft an alle" bezeichnete, "die mit den Besatzern und ihren Agenten zusammenarbeiten".

Erster Anschlag in der Grünen Zone seit drei Jahren

US-Präsident George W. Bush verurteilte das Attentat scharf. Die Tat erinnere daran, "dass es einen Feind gibt, der willens ist, Bomben gegen unschuldige Menschen und das Symbol der Demokratie einzusetzen", sagte Bush in Washington. Die britische Außenministerin Margaret Beckett sprach in London von einem "entsetzlichen" Attentat.

Die so genannte Grüne Zone im Zentrum Bagdads galt bislang als sicher. Dort hatte es bisher erst zwei Selbstmordanschläge gegeben. Im Oktober 2004 hatten sich dort zwei Attentäter in die Luft gesprengt. Damals waren fünf Menschen ums Leben gekommen, darunter vier Amerikaner. Im September 2005 hatten US-Soldaten einen Selbstmordattentäter mit einer Autobombe an einer Absperrung am Eingang der Zone aufhalten können.

Zehn Menschen sterben bei Anschlag auf Brücke

Wie der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete, sind unter den Toten Mohammed Awad von der sunnitischen Nationalen Dialogfront sowie ein Abgeordneter der Liste für Versöhnung und Befreiung, die mit nur drei Sitzen im Parlament vertreten ist. Unklar blieb zunächst, wie der Attentäter den Sprengstoff in das Gebäude schmuggeln konnte. Die "Grüne Zone" wird von der US-Armee und der irakischen Armee abgeriegelt und schärfstens kontrolliert. Deshalb hatte es dort seit 2004 keine größeren Terroranschläge mehr gegeben, sondern nur gelegentliche Angriffe mit Mörsergranaten - etwa im vergangenen Monat beim Besuch von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Parlamentspräsident Mahmud al-Maschhadani rief die Abgeordneten nach dem Anschlag auf, sich als "Geste der Solidarität mit den Märtyrern" an diesem Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung im Parlamentssaal zu versammeln. Die Parlamentarier sollten sich von einem derartigen Terrorakt nicht einschüchtern lassen, betonte er.

Am Vormittag hatte sich in der Hauptstadt auf einer Brücke über den Tigris ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Er riss zehn Menschen mit in den Tod. 25 Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Große Teile der Brücke stürzten in den Fluss. In Kirkuk starben nach Polizeiangaben sechs Zivilisten bei einem Anschlag auf einen Bus, 22 weitere Iraker wurden verletzt. Bewaffnete eröffneten in Kirkuk zudem das Feuer auf eine Gruppe von Irakern, die vor einem Lebensmittelgeschäft standen. Ein Mann wurde getötet, drei weitere verwundet.

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