Irak-Geiseln Lebenszeichen per Handy


Von den beiden im Irak entführten Deutschen gibt es einem Pressebericht zufolge ein Lebenszeichen. Und die Kidnapper haben sich angeblich mit politischen Forderungen gemeldet: Sie forderten einen Wirtschaftsboykott des Iraks, bei Nicht-Erfüllung drohe den Geiseln der Tod.

Die Entführer der beiden Deutschen im Irak stellen angeblich politische Forderungen. Der "Spiegel" berichtete am Freitag vorab außerdem von einem Lebenszeichen der Entführten. Die Bundesregierung kommentierte die Details des Berichts nicht, verwies aber auf die intensiven Bemühungen des Krisenstabes um eine unversehrte Rückkehr der Geiseln. Außenamtssprecher Martin Jäger bat die Medien erneut und eindringlich um Zurückhaltung, um die Anstrengungen nicht zu gefährden. Das Leben und die Sicherheit der Geiseln haben nach den Worten Jägers zu jeder Zeit unbedingte Priorität.

Regierung bittet Medien erneut um Zurückhaltung

Das öffentliche Interesse und die Anteilnahme am Schicksal der Geiseln seien zwar verständlich. Der Umgang mit der Geiselnahme erfordere aber Umsicht und Verantwortung sowie Taktgefühl gegenüber den Angehörigen. Er hoffe, dass eine glückliche Lösung des Geiseldramas gemeinsam möglich sei, sagte Jäger.

Laut Bericht geht das Auswärtige Amt Hinweisen nach, denen zufolge die Geiselnehmer aus Kreisen der irakischen Widerstandsbewegung stammen könnten. Die Kidnapper hätten während der Entführung erklärt, sie gehörten zum "Dschaisch al-Islam", zur Islamischen Armee. Diese Untergrundgruppe bekenne sich im Internet regelmäßig zu Aktionen gegen US-Soldaten.

Kontakt über Handy

In mehreren Telefonaten mit Angehörigen der Familie in Deutschland hätten die Entführer Anfang vergangener Woche ein Lebenszeichen der Geiseln übermittelt, hieß es in dem Bericht. Zudem stellten sie politische Forderungen wie nach einem wirtschaftlichen Boykott des Irak. Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, drohe der 60-jährigen Frau und ihrem Sohn der Tod.

Weil solche politischen Parolen bislang Bestandteil fast jeder Verschleppung waren, halte der Krisenstab allerdings weiterhin auch einen rein kriminellen Hintergrund für möglich. Die im Umland von Berlin geborene Frau, die seit mehr als 20 Jahren im Irak lebt, war am Dienstagmorgen vorvergangener Woche aus ihrem Haus in Bagdad verschleppt worden, als sie und ihr Sohn gerade zur Arbeit gehen wollten. Ein halbes Dutzend Männer war dabei dem Bericht zufolge in die Wohnung in einem überwiegend von Sunniten bewohnten Viertel eingedrungen und hatte die Familie in Schach gehalten.

Gute Beziehungen zu lokalen Milizen

Weil die Bewaffneten sehr ruhig agiert und sich sogar mit Anwohnern unterhalten hätten, gingen Sicherheitsexperten davon aus, dass es sich um eine Gruppe mit guten Beziehungen zu lokalen sunnitischen Milizen handele. Den Mann der Deutschen, einen irakischen Professor, hätten die Kidnapper zurückgelassen. Der Kontakt zwischen einer Tochter der entführten Deutschen in Berlin und den Entführern laufe seitdem über das Handy eines der Opfer. Die Entführten besitzen die deutsche und die irakische Staatsbürgerschaft.

AP/DPA AP DPA

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