Irak Japan zieht Truppen ab

Nach Spanien, den Niederlanden und Italien zieht jetzt auch Japan seine Truppen aus dem Irak ab. Das kündigte Ministerpräsident Junichiro Koizumi an. Für US-Präsident Bush kommt die Nachricht äußerst ungelegen.

Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi hat am Dienstag den Rückzug der japanischen Bodentruppen aus dem Irak angekündigt. Die Entscheidung sei in Absprache mit den Verbündeten getroffen worden, sagte er in Tokio nach Gesprächen mit Vertretern der Regierungsparteien und der Opposition. Ungeachtet des Truppenrückzugs werde Japan den Wiederaufbau Iraks weiter unterstützen, versprach Koizumi in einer Pressekonferenz.

Japan hat seit Anfang 2004 etwa 600 Soldaten in der südirakischen Provinz Muthana stationiert. Die Mission beschränkte sich ausschließlich auf humanitäre auf Aufbauhilfe. Die Soldaten dort hätten ihre Aufgabe erfüllt, sagte Koizumi. Einen Zeitplan für den Abzug nannte der Ministerpräsident nicht. erteidigungsminister Fukushiro Nukaga gab jedoch sofort den Rückzugsbefehl, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete.

"Koalition der Willigen" wird immer kleiner

Koizumi gab die Entscheidung zum Truppenabzug bekannt, nachdem am Vortag das Büro des britischen Premierministers Tony Blair bestätigt hatte, das die ebenfalls in Muthana stationierten britischen und australischen Truppen die Verantwortung für die Sicherheit der Provinz an die Iraker abgeben werden.

Das 600 Mann starke japanische Kontingent besteht hauptsächlich aus Ingenieuren und medizinischem Personal. Bis zum Herbst sollen die einst 3200 Soldaten alle in die Heimat zurückgekehrt sein.

Mit dem Abzug der Japaner wird die so genannte Koalition der Willigen erneut kleiner. Zu Kriegsbeginn zählte die Koalition noch fast 300.000 Mann aus 38 Nationen - inzwischen nur noch knapp zwei Dutzend. 2004 hatte Spanien mit dem Rückzug begonnen. Ihnen folgten einige mittelamerikanische Länder, 2005 dann die Niederlande und die Ukraine. Zuletzt kündigte Italien nach der Regierungsübernahme von Romano Prodi seinen Rückzug an.

Bush unter Druck

US-Präsident George W. Bush gerät mit dem Abzug der Japaner innenpolitisch erneut unter Druck. Die Stimmen nach einem Abzug der Amerikaner werden immer lauter. Der Kongress hat in der vergangenen Woche mit der Mehrheit der regierenden Republikaner die Forderung nach einem klaren Zeitplan für den Truppenabzug abgewiesen. Gleichwohl wollen die oppositionellen Demokraten in den nächsten Tagen abermals einen solchen Antrag einbringen, wie die Senatorin Dianne Feinstein dem Fernsehsender CNN sagte. Bei einer neuen Erhebung der Nachrichtenagentur AP unterstützten nur noch 33 Prozent der Befragten die Irak-Politik des Präsidenten. Unter Einbeziehung aller politischen Themen zeigten sich nur 35 Prozent mit Bush zufrieden.

Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

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