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Irak: Mindestens 27 Tote bei Anschlag auf Hotel

Ein Autobombenanschlag auf ein Hotel in der Bagdader Innenstadt hat am Mittwochabend mindestens 27 Menschen in den Tod gerissen. Mehr als 40 wurden nach US-Militärangaben verletzt. Rettungskräfte suchten in den Trümmern des Hotels Jabal Lebanon noch nach Opfern. Nach Angaben von Anwohnern hatten in dem fünfstöckigen Hotel Amerikaner, Briten, Ägypter und andere Ausländer Quartier bezogen.

Die Explosion riss einen riesigen Krater in den Boden, fünf umstehende Gebäude im Stadtviertel Karrada wurden schwer beschädigt. Auch die Flammen griffen auf Nachbarhäuser über, mehrere Autos standen in Brand. Die Wucht der Detonation versprengte Teile von Möbeln und Klimaanlagen sowie Mauerstücke in einem Umkreis von mehreren hundert Metern.

Verwaltungsrat bittet UN um Hilfe

Der irakische Verwaltungsrat bat unterdessen die UN um Hilfe bei der Bildung einer Übergangsregierung. Sie sollten dazu ein Expertenteam nach Irak entsenden, erklärte ein Sprecher. Das Gremium habe die Vereinten Nationen weiter um technische Unterstützung zur Vorbereitung allgemeiner Wahlen gebeten, die bis Ende Januar 2005 stattfinden sollen. Das Ersuchen ist in einem Schreiben des Präsidenten des Verwaltungsrates, Mohammed Bahr el Ullum, an UN-Generalsekretär Kofi Annan enthalten, wie Sprecher Hamid el Kafaai der Nachrichtenagentur AP sagte.

Innerhalb des Verwaltungsrates herrschen aber offenbar Vorbehalte gegen eine Rückkehr des UN-Gesandten Lakhdar Brahimi nach Irak. Viele Schiiten seien nicht glücklich über dessen Einschätzung, dass Wahlen nicht vor der geplanten Machtübergabe zum 30. Juni machbar seien, erklärte El Ullums Stellvertreter Sami el Askari. Die Vereinten Nationen hatten sich nach dem Bombenanschlag auf ihr Hauptquartier in Bagdad im August vorigen Jahres aus Sicherheitsgründen aus Irak zurückgezogen. Bei dem Anschlag wurden 23 Menschen getötet, darunter der UN-Gesandte Sergio Vieira de Mello.

Stadtweite Suche nach Aufständischen

Die US-Truppen starteten am Mittwoch gemeinsam mit irakischen Soldaten eine Großrazzia in Bagdad und beschlagnahmten zahlreiche Waffen. Beteiligt waren rund 250 amerikanische und 250 irakische Soldaten. Es war der erste Einsatz im Rahmen der Operation "Eisernes Versprechen". Die Truppen umstellten einen Markt im Stadtteil El Baja und durchsuchten die Stände und Geschäfte. Hubschrauber kreisten in der Luft. In einer Autowerkstatt fanden die Soldaten Granatwerfer und Granaten. Drei Verdächtige wurden festgenommen. Die Razzia am Markt soll den Auftakt für eine stadtweite Suche nach Aufständischen bilden.

Nach Informationen der US-Streitkräfte sind in Bagdad 14 Zellen von Aufständischen aktiv. Bei einem Angriff mit einem selbst gebastelten Sprengkörper wurden am Mittwoch ein amerikanischer Soldat und zwei irakische Sicherheitskräfte verwundet, wie ein US-Militärsprecher mitteilte. Ein US-Soldat sei bei einem Autounfall in Zentralirak ums Leben gekommen, zwei Soldaten hätten Verletzungen erlitten. Das Militärfahrzeug habe sich überschlagen und sei in den Fluss Tigris gestürzt.

Kinder von Mörsergranaten getötet

Ebenfalls am Mittwoch kam in Mossul nach Angaben der dortigen Polizei ein irakischer Soldat ums Leben und drei weitere wurden verletzt, als neben ihrem Fahrzeug ein Sprengsatz explodierte. Drei Verdächtige seien festgenommen worden. Bereits am Dienstagabend wurden nach Berichten von Anwohnern zwei irakische Kinder in Bagdad von Mörsergranaten getötet.

DPA