Irak USA dementieren Abzug


Amerikaner und Briten planen, ihre Truppen im Frühjahr 2007 aus dem Irak abzuziehen, weil sie die Friedenssicherung des Landes behindern. Dies berichten britische Medien.

Das US-Militär im Irak hat Medienberichte über einen geplanten Abzug aller britischen und US-amerikanischen Soldaten bis zum Frühjahr 2007 dementiert. Es gebe keinen Zeitplan für einen Abzug, sagte Oberstleutnant Barry Johnson am Sonntag in Bagdad. Im Land setzte sich am Wochenende die Gewalt fort. Bei mehreren Anschlägen kamen mehr als zehn Menschen ums Leben. Auch auf politischer Ebene gingen die Auseinandersetzungen weiter. Präsident Dschalal Talabani sprach sich gegen eine zweite Amtszeit von Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari aus. Damit verschärft sich der Machtkampf zwischen den verschiedenen Gruppen um die irakische Führung.

Die Berichte seien "komplett falsch", sagte Johnson. Er bekräftigte die bekannte Position der USA bezüglich eines Truppenabzugs. Die ausländischen Truppen würden schrittweise aus dem Land geholt, sobald irakische Kräfte in der Lage seien, die Sicherheit zu gewährleisten. Die britischen Zeitungen "Sunday Telegraph" und "Sunday Mirror" hatten sich in ihren Berichten auf hochrangige Mitarbeiter des britischen Verteidigungsministeriums berufen.

Truppen behindern Friedenssicherung

Großbritannien und die USA hätten akzeptiert, dass die ausländischen Truppen mittlerweile ein Hindernis für die Sicherung des Friedens in dem Golfstaat seien, hieß es im "Telegraph". Auch die 22 verbündeten Länder würden dem Abzug wegen der international geringen Popularität des Krieges wahrscheinlich zustimmen. Die von den USA geführte Allianz hat zurzeit etwa 160.000 Soldaten in dem Golfstaat stationiert, darunter 135.000 US-Soldaten und rund 8500 aus Großbritannien.

Im Irak ringen die politischen Kräfte nach den Parlamentswahlen im Dezember noch immer um die Bildung einer neuen Regierung. Dabei sehen sich die regierenden Schiiten der Forderung potenzieller Koalitionspartner gegenüber, Dschaafari nicht noch einmal in das Amt des Ministerpräsidenten zu wählen. Talabani sagte am Samstag, es sei im Interesse einer künftigen Regierung der nationalen Einheit, sich gegen eine zweite Amstzeit des umstrittenen Dschaafari zu stellen.

Dschaafari erschwert Regierungsbildung"

Der Schiite Dschaafari ist von seiner Partei bereits erneut als Regierungschef nominiert worden. Weltliche, sunnitische und kurdische Politiker sehen dadurch die Bildung der neuen Regierung erschwert. Auch US-Vertreter haben durchblicken lassen, dass sie einer erneuten Kandidatur Dschaafaris wegen dessen engen Verbindungen zu schiitischen Islamisten reserviert gegenüber stehen. Kritiker werfen dem Ministerpräsidenten zudem vor, er habe die anhaltende Gewalt im Land nicht gestoppt.

Aufständische verübten am Wochenende mehrere Anschläge, darunter einen Granatenangriff auf einen belebten Markt der Stadt Gisr Dijala südöstlich von Bagdad. Dabei kamen am Samstag Polizeiangaben zufolge sieben Menschen ums Leben. Zwei Zivilisten starben bei der Detonation einer Autobombe, die an einem Kontrollposten der Polizei im Nachbarort Salman Pak explodierte. Bei den beiden Anschlägen wurden zudem insgesamt 23 Menschen verletzt. Die Ortschaften liegen in der Nähe der Stadt Nahrawan, die am Donnerstag vermutlich von sunnitischen Aufständischen überfallen wurde. Dabei waren dem Innenministerium zufolge mindestens 19 Menschen getötet worden. In Kirkuk, im Norden des Landes starben am Samstag zwei Menschen, als bewaffnete Männer das Feuer auf eine schiitische Moschee eröffneten.

Reuters Reuters

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