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Iran: Neue Runde im Atomstreit

Der Atomstreit mit dem Iran steht vor einer weiteren Eskalationsstufe: Die Internationale Atomenergiebehörde warf dem Iran vor, die Urananreicherung ausgeweitet zu haben. Die USA schickten als Drohgebärde neun Kriegsschiffe in den Golf.

Dafür drohen dem Land neue und härtere Sanktionen, für die sich bereits die britische Regierung und der neue französische Präsident Nicolas Sarkozy aussprachen. Die USA schickten neun Kriegsschiffe in den Golf, was als Demonstration der Stärke der Regierung in Teheran gegenüber gilt.

Aus einem in Wien veröffentlichten Bericht der IAEA geht hervor, dass der Iran die Zahl der Zentrifugen deutlich ausgeweitet hat und auch seine Schwerwasser-Projekte weiter betreibt. In gut 1300 Zentrifugen wird bereits angereichertes Uran-Gas eingeleitet, insgesamt sind 1640 Geräte installiert. Das in die Kaskaden eingeleitete Urangas reiche laut IAEA derzeit aber noch nicht zur Waffenproduktion aus. UN-Vertreter schätzen allerdings, dass bis Ende Juni 3000 Zentrifugen betriebsbereit sind - damit dürfte der Iran über ausreichend Kapazitäten verfügen, um atomaren Brennstoff zu produzieren.

Iran weist Vorwürfe zurück

Bei Verhängung weiterer Sanktionen hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) dem Iran am 24. März eine 60-Tage-Frist gesetzt, die Urananreicherung auszusetzen. "Der Iran hat seine Anreicherungsaktivitäten nicht ausgesetzt", heißt es in dem IAEA-Bericht. Die Führung in Teheran hat Vorwürfe des Westens zurückgewiesen, insgeheim an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Sein Atomprogramm diene ausschließlich der Energiegewinnung.

Der UN-Sicherheitsrat hat bereits zwei Mal Sanktionen gegen den Golfstaat verhängt, weil er Fristen zum Aussetzen des Programms verstreichen ließ. Die britische Regierung sprach sich für eine Verschärfung der Strafmaßnahmen aus, ebenso der französische Präsident Sarkozy. Der Iran müsse sich selbst entscheiden "zwischen der Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft und verschärften Sanktionen", sagte Sarkozy in einem Interview der französischen Zeitung "Politique Internationale", das von der deutschen Zeitschrift "Cicero" nachgedruckt wurde.

USA fordern komplette Einstellung der Urananreicherung

IAEA-Chef Mohamed ElBaradei hatte in der vergangenen Woche vorgeschlagen, von der Forderung nach einem vollständigen Stopp des Atomprogramms abzurücken, weil der Iran bereits jetzt Uran anreichern kann. Stattdessen sollte der Iran daran gehindert werden, die Anreicherung im industriellen Maßstab zu betreiben. Der Vorschlag stieß bei den USA auf Widerstand. Der Staatssekretär im US-Außenministerium, Nicholas Burns, bekräftigte erneut, die im Atomstreit verhandelnden Länder würden auch weiterhin auf eine komplette Einstellung der Urananreicherung beharren. Der Bericht der IAEA zeige, dass die Führung in Teheran ihre Bürger weiter isoliere. Die USA wollten nun mit ihren Partnern die nächsten Schritte besprechen. Die Regierung in Washington hat sich für eine diplomatische Lösung der Krise ausgesprochen, einen Militärschlag aber nicht ausgeschlossen.

Unter den neun US-Kriegsschiffen mit 17.000 Mann Besatzung sind auch zwei Flugzeugträger. Dabei handle es sich um eine seit langem geplante Übung, mit der die Alliierten auf der arabischen Halbinsel davon überzeugt werden sollen, dass sich die USA für die Sicherheit in der Golf-Region verantwortlich fühlen, betonte die Regierung in Washington.

Der Golf ist eine wichtige Transportroute für Rohöl. Der Preis für ein Barrel Nordsee-Öl der Sorte Brent stieg daraufhin um mehr als einen Dollar auf gut 70 Dollar. Leichtes US-Öl notierte um 20 Cent höher bei 65,71 Dollar.

Reuters / Reuters