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Irrtümlicher Nato-Angriff Pakistan boykottiert Bonner Afghanistan-Konferenz


Der tödliche Nato-Luftangriff auf pakistanische Soldaten wird zur Belastung für den afghanischen Friedensprozess: Pakistan hat angekündigt, der Afghanistan-Konferenz in Bonn fernzubleiben. Die USA bangen um ihren wichtigsten Partner in der Region.

Nach dem tödlichen Nato-Angriff auf pakistanische Soldaten boykottiert die Regierung in Islamabad die internationale Afghanistan-Konferenz in Bonn. Das pakistanische Kabinett habe beschlossen, nicht an dem Treffen am kommenden Montag teilzunehmen, sagte ein Vertreter der pakistanischen Regierung am Dienstag. Pakistan wirft der Nato vor, am Samstag 24 pakistanische Soldaten im Grenzgebiet zu Afghanistan getötet zu haben.

Die Afghanistankonferenz soll am kommenden Montag in Bonn stattfinden. Dabei werden 90 Delegationen aus aller Welt erwartet, die über die Zukunft des Landes beraten sollen. Mit dem Boykott macht das Land seine Drohung wahr, die Zusammenarbeit bei den Friedensbemühungen in Afghanistan drastisch einzuschränken. Eine Rückkehr zur Normalität könne es nicht geben, sagte Ministerpräsident Yusuf Reza Gilani am Montag dem US-Sender CNN. Die pakistanischen Streitkräfte erwägen zudem nach dem Tod ihrer Soldaten, die Zusammenarbeit mit den USA drastisch einzuschränken.

USA bangen um wichtigen Partner

Das US-Außenministerium in Washington erklärte, diese Reaktion sei verständlich. Es sei jedoch im Interesse Pakistans, in Bonn dabei zu sein. Das Ministerium äußerte sich besorgt über die Folgen des Luftangriffs auf das beiderseitige Verhältnis. Aus Sicht der USA kommt Pakistan mit seinen engen Beziehungen zu bewaffneten Gruppen in Afghanistan eine Schlüsselrolle bei der Befriedung des Nachbarlandes zu. Bis Ende 2014 will die Nato ihre Kampftruppen vom Hindukusch abgezogen haben.

Der Luftangriff von Nato-Truppen auf Außenposten der pakistanischen Armee hat das ohnehin schon gespannte Verhältnis zwischen beiden Ländern in eine tiefe Krise gestürzt. In einer ersten Reaktion hatte Pakistan Nachschubrouten in sein Nachbarland Afghanistan gesperrt. An der Grenze stauten sich Hunderte Lkw mit Nachschub für die Nato-Truppen. Auf mehreren Demonstrationen im Land protestierten Menschen gegen den Angriff und kritisierten vor allem die USA.

Nato-Angriff dauerte zwei Stunden

Bei dem Nato-Luftangriff auf zwei Vorposten im Nordwesten Pakistans wurden in der Nacht zu Samstag 24 pakistanische Soldaten getötet und 13 verletzt. Generalmajor Abbas sagte, der Angriff habe zwei Stunden gedauert - trotz Hinweisen der pakistanischen Grenzposten. Die Nato bedauerte den Angriff zutiefst und sprach von einem Versehen. In westlichen und afghanischen Sicherheitskreisen hieß es, die Nato-Soldaten hätten Feuer von jenseits der Grenze erwidert. Die radikal-islamischen Taliban erklärten, sie seien nicht in den Zwischenfall involviert gewesen.

Die afghanisch-pakistanische Grenzregion ist praktisch ohne Kontrolle durch die Regierung in Islamabad und Rückzugsgebiet für die Taliban, die von den US-geführten Nato-Truppen bekämpft werden.

seh/AFP/Reuters Reuters

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