ISRAEL Fischer verhandelt weiter


Nach dem blutigen Terroranschlag in Tel Aviv hat Bundesaußenminister Joschka Fischer im Nahost-Konflikt überraschend eine Vermittlerrolle übernommen.

Nach dem blutigen Terroranschlag eines palästinensischen Selbstmordattentäters in Tel Aviv hat Bundesaußenminister Joschka Fischer im Nahost-Konflikt überraschend eine Vermittlerrolle übernommen. Fischer setzte nach zwei Gesprächen mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat und einem Treffen mit Israels Regierungschef Ariel Scharon heute seine Bemühungen um eine Annäherung beider Seiten in Jerusalem fort. »Ich hoffe, dass die Israelis die Kraft haben, auf Rache zu verzichten«, sagte Fischer in Jerusalem. Die vergangenen 24 Stunden hätten große Fortschritte gebracht.

Vermittler per Zufall

Sowohl am Sonntag wie heute führte Fischer zahlreiche Telefonate wegen der Lage im Nahen Osten, darunter mit dem amerikanischen Außenminister Colin Powell und seinem russischen Amtskollegen Igar Iwanow. Fischer kam nach dem Anschlag auf eine Discothek in Tel Aviv eher überraschend zu der Vermittlerrolle. Es sei eine »normale« Nahost- Reise geplant gewesen, sagte der Minister. »Doch die Möglichkeit musste man nutzen.« Es sei nur eine kleine Chance, aber eine Chance.

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Der Anschlag und seine Folgen

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Fischer verhandelte am Sonntag nach Verlängerung seines Israelbesuchs in Pendeldiplomatie mit beiden Konfliktparteien. Erst traf er sich mit dem israelischen Ministerpräsidenten Scharon. Unmittelbar danach fuhr er zu Arafat, den er schon am Samstag getroffen hatte. Beiden Seiten versuchten, die Konfrontation zu verhindern, erklärte er nach den Gesprächen. Arafat und Scharon bedankten sich ausdrücklich für Fischers Bemühungen.

Aufenthalt verlängert

»Derzeit handeln beide Seiten verantwortlich«, sagte Fischer. »Wir haben das Bestreben, das Unsere dazu beizutragen«. Bei seinen Bemühungen werde er von zahlreichen Regierungschefs auf der ganzen Welt unterstützt. Er sei vor Ort, und eine Chance müsse man nutzen, sagte Fischer. Er hatte zuvor seinen Aufenthalt in Israel verlängert. Es sei nötig, in dieser kritischen Phase weitere Gespräche zu führen, hieß es. Der Abflug nach Ägypten wurde von Montagmorgen auf Montagabend verschoben.

In seinem Gespräch mit Scharon zollte Fischer dem Regierungschef seine Anerkennung für den Verzicht auf sofortige Vergeltung für den palästinensischen Terroranschlag und die seit fast zwei Wochen von Israel einseitig eingehaltene Waffenruhe. Fischer hatte Arafat nach dem Anschlag überredet, eine persönliche Erklärung zu einer Waffenruhe auch von palästinensischer Seite abzugeben. Er hatte ihn vor seinem Gespräch mit Scharon noch einmal eindringlich dazu aufgerufen, die angekündigte Waffenruhe auch umzusetzen. Wenn Arafat seine Worte nicht wahr mache, werde man eine »große Tragödie erleben«, sagte Fischer.

Er habe sich nicht nach einer Vermittlerrolle gedrängt, erklärte der Minister auf Fragen, warum Deutschland und die Europäische Union nicht bereits früher als Vermittler aktiv geworden seien. »Es war eine besondere Situation.«


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