HOME

Türkei: Krach mit Töpfen und Pfannen: Istanbuler demonstrieren gegen Wiederholung der Wahl

Die Hohe Wahlkommission der Türkei hat eine Wiederholung der Kommunalwahl in Istanbul angeordnet - zum Ärger der siegreichen Opposition gegen Staatschef Erdogan. Videos auf Twitter zeigen, dass sich in der Stadt Protest regt - wieder einmal.

Am Montagabend standen sie wieder an Fenstern und schlugen auf Töpfe und Pfannen. Tweets zeigen den Protest der Oppositionsanhänger gegen die Entscheidung der Hohen Wahlkommission (YSK), die Kommunalwahl in Istanbul wiederholen zu lassen. In mehreren Bezirken Istanbuls standen die Menschen an den Fenstern und schlugen auf Töpfe und Pfannen - eine Protestform, die sich während der regierungskritischen Gezi-Proteste von 2013 etabliert hatte.

Auch auf der Straße formierte sich der Protest gegen die Entscheidung der Wahlkommission, wie ein Tweet von Taylan Kulaçoğlu zeigt:

Und in dem Viertel von Istanbul, in dem laut dem Twitter-Account dokuz8HABER viele Studierende der Boğaziçi-Universität leben, waren die Topfschläge ebenfalls deutlich zu hören:

Auch bei Protesten gegen das Verfassungsreferendum 2017 schlugen Demonstranten auf Töpfe und Pfannen. Erdogan kommentierte das damals in einer Fernsehansprache: "Das sind eben Gezi-Leute. Das sind die mit den Töpfen und Pfannen." Warum die Oppositionsanhänger diese Protestform gewählt haben, ist nicht ganz klar. Aber einerseits macht es viel Lärm und andererseits riskieren sie nicht, wegen des Rufens von Anti-Erdogan-Parolen vor Gericht gestellt zu werden. 

Die Wahlkommission hatte am Montag - mehr als einen Monat nach der Kommunalwahl in der Türkei - die Abstimmung in Istanbul annulliert und eine Wiederholung angeordnet. Damit gab sie einem Antrag der Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan statt. Der Kandidat der größten Oppositionspartei CHP, Ekrem Imamoglu, hatte die Kommunalwahl in Istanbul am 31. März knapp vor Ex-Ministerpräsident Binali Yildirim gewonnen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu sollen die Bürger nun am 23. Juni erneut wählen. Die Hohe Wahlkommission (YSK) veröffentlichte zunächst keine offizielle Erklärung zu ihrem Beschluss.

tkr / mit AFP