Jegor Gaidar Noch ein Giftopfer?


Nach dem rätselhaften Tod Alexander Litwinenkos sind nun Vorwürfe eines Giftanschlags auf den früheren russischen Regierungschef Jegor Gaidar erhoben worden. "Das war eine politische Vergiftung", glaubt Gaidars Tochter. Gaidar ist Kritiker der russischen Wirtschaftspolitik.

Die Ärzte in Moskau sähen "keinen anderen Grund" für seine plötzlich Erkrankung am 24. November auf einer Konferenz in Irland, erklärte Sprecher Valeri Natarow in Moskau. "Offenbar reden wir also von Vergiftung", sagte er.

Die Tochter zog eine Verbindung zum vergifteten Litwinenko, ohne dabei ins Detail zu gehen. Auch ein Berater Gaidars sprach von einem Giftanschlag. Der 50-jährige Gaidar gilt als Kritiker der russischen Wirtschaftspolitik, aber im Gegensatz zu Litwinenko nicht als erklärter Gegner von Präsident Wladimir Putin.

Putin wünschte ihm gute Besserung

Gaidar war auf der Konferenz zusammengebrochen und über drei Stunden bewusstlos. Er wurde nach Moskau in eine Klinik gebracht und befinde sich inzwischen auf dem Weg der Besserung, teilten seine Angehörigen mit. Maria Gaidar äußerte die Hoffnung, dass ihr Vater Anfang kommender Woche aus dem Krankenhaus entlassen werde. "Er hängt noch am Tropf, fühlt sich aber schon viel besser", sagte sie. Die Ärzte sähen derzeit keine Lebensgefahr. Präsident Wladimir Putin habe ihn angerufen und ihm gute Besserung gewünscht.

Auch Gaidars Berater Waleri Natarow hat nach Rücksprache mit den Ärzten einen Anschlag vermutet. "Das war definitiv keine Vergiftung durch irgendwelche verdorbenen Lebensmittel", sagte Natarow nach Angaben der Agentur Ria Nowosti. Bei Gaidar wurden nach Angaben seiner Ärzte keine radioaktiven Spuren festgestellt. Litwinenko war am Donnerstag vergangener Woche vermutlich an einer Vergiftung mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 gestorben.

Gaidar öffnete die Wirtschaft unter Jelzin

Gaidar, inzwischen Leiter eines Wirtschaftsforschungsinstituts, hatte 1992 unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin die russische Regierung geführt und die umstrittene Freigabe aller Preise angeordnet. Diese Schocktherapie hatte zu einer weit verbreiteten Armut in Russland geführt, die viele Menschen den Reformpolitikern um Gaidar bis heute persönlich anlasten.

DPA/AP AP DPA

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