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Rassismus-Debatte : Trudeau in der Kritik: Warum "Blackfacing" in Nordamerika so umstritten ist

Vor 18 Jahren verkleidete sich Justin Trudeau für eine Kostümparty als Aladdin: Turban, langes Gewand und ein dunkel geschminktes Gesicht. Dafür steht er jetzt massiv in der Kritik. Aber warum ist das "Blackfacing" in Nordamerika so umstritten? 

Kanadas Premier Justin Trudeau entschuldigt sich für "arabisches" Make-Up vor 18 Jahren

Justin Trudeau hat sich öffentlich dafür entschuldigt, vor 18 Jahren bei einem Kostümabend einer Privatschule mit braun geschminkter Haut aufgetreten zu sein

AFP

Vor 18 Jahren besuchte Kanadas Premier Justin Trudeau eine Kostümparty an der West Point Grey Academy. Thema des Abends: "Arabische Nächte". Der damals 29-jährige Trudeau verkleidete sich als Aladdin. Zu dem Kostüm gehörte neben einem Turban und einem langen Gewand auch ein dunkel geschminktes Gesicht. Nun tauchte ein Foto von dem Abend auf und bringt den Premier in Bedrängnis. Denn das sogenannte "Blackfacing" ist in Nordamerika inzwischen höchst umstritten. 

Beim "Blackfacing" schminken sich vornehmlich weiße Menschen mit dunkler Farbe das Gesicht, um dunkelhäutige Menschen darzustellen. Bekannt geworden ist die Praktik durch die so genannten Minstrel Shows, die Anfang des 19. Jahrhunderts in den USA populär wurden. Bei diesen Theater- oder Showdarstellungen malten sich weiße Schauspieler, allen voran Thomas D. Rice, das Gesicht schwarz an, tanzten und sangen fürs Publikum. Die Figur des "Jim Crow" wurde zum Sinnbild eines mit sich und der Welt zufriedenen, aber faulen und zum Teil auch stehlenden Schwarzen. Plantagenarbeiter oder Hausangestellte wurden als naive, fröhlich singende Sklaven verhöhnt. Auch Schwarze sind damals mit einem "Blackface" aufgetreten, aber bloß um überhaupt die Möglichkeit zu haben, vor weißem Publikum aufzutreten.

"Blackfacing" bedient Stereotype

Mit dieser Art der Unterhaltung etablierte sich das "Blackface" als rassistische Darstellung von Afroamerikanern in Nordamerika. Aufgrund dieses historischen Hintergrunds ist die Praktik in den vergangenen Jahren zunehmend in die Kritik geraten, auch wenn sie nicht mehr als Witz auf der Bühne Anwendung gefunden hat, sondern viel mehr bei Kostümparties.

Doch auch wenn in den meisten dieser Fälle die Verkleidungen nicht zur Verhöhnung benutzt werden, empfinden viele das "Blackfacing" als verletzend, weil damit negative und nicht der Wahrheit entsprechende Stereotype immer wieder bedient und zur Schau gestellt werden. "Das Blackfacing gilt als rassistisch, weil es die Identität und die Erfahrungen schwarzer Menschen als Kostüm behandelt, das weiße Menschen beliebig an- und ausziehen können", erklärte der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch in einem Interview mit der Deutschen Presseagentur. "Mit dem Blackfacing maßen sich weiße Menschen an, für schwarze Menschen sprechen und handeln zu können, und nehmen ihnen damit den Raum, dies selbst zu tun", konkretisierte er. 

Inzwischen entwickelten sich analog zum "Blackfacing" die Begriffe "Redfacing" und "Yellowfacing", die die stereotypische Verkleidung als Angehöriger der indigenen Völker Amerikas oder des asiatischen Raums bezeichnen.

ivi