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Sturm aufs Kapitol Kapitolpolizisten berichten von ihren Erlebnissen: "Sie riefen: 'Tötet ihn mit seiner eigenen Waffe!'"

Sehen Sie im Video: Neue Videos von Kapitol-Erstürmung machen die Runde.






Neue Aufnahmen vom Sturm auf das US-Kapitol in Washington D. C. am 06. Januar 2021.


Die Videos zeigen die Ereignisse in der US-Hauptstadt aus Sicht von randalierenden Trump-Anhängern.


"USA! USA! USA! USA! USA!"


Die Clips stammen von der rechten, inzwischen nicht mehr erreichbaren, Social-Media-Plattform "Parler" und wurden von dort geleakt.


Eine Hackerin, bekannt unter dem Twitternamen „Donk_enby“, und Helfer sichern vor der Abschaltung der Plattform rund 56 Terabyte an Daten und veröffentlichen diese im Internet – darunter Millionen Videos und Fotos, teilweise mit anhängenden GPS-Daten, und bereits gelöschte Postings.


Parler war aufgrund von Gewalt-, Mord- und Bürgerkriegsaufrufen wenige Tage nach dem Sturm auf das Kapitol durch den Serverbetreiber Amazon vom Netz genommen worden.


Die geleakten Informationen gelten im Zusammenhang mit der Strafverfolgung rund um die Ereignisse in Washington D. C. als Goldgrube für das FBI.



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Sie waren mittendrin. Drei Polizisten der Capitol Police haben berichtet, was ihnen im Pulk der Trump-Anhänger, die das Kapitol stürmten, widerfahren ist. Sie fürchteten um ihr Leben. Doch sie erhielten auch Hilfe.

Erst allmählich kommen die Geschehnisse und Hintergründe des Sturms auf das Kapitol in der US-Hauptstadt Washington ans Licht. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Erkenntnisse gesammelt, dass es konkrete Pläne gab, Kongressabgeordnete zu töten. Während in den Live-Bildern des 6. Januar zunächst der Eindruck einer spontanen Aktion entstand, gibt es nun auch Hinweise, dass die Randalierer Hilfe von innen hatten, es ihnen eventuell sogar ermöglicht wurde, sich am Tag zuvor bei Führungen Ortskenntnisse zu verschaffen. Der Masse der Aufrührer stellte sich die zahlenmäßig hoffnungslos unterlegenen Beamten der Capitol Police entgegen. Drei der Polizisten haben dem US-Sender CNN nun ihre Erlebnisse geschildert. Sie berichten von Todesangst, unerwarteter Hilfe und Fehleinschätzungen der Lage.

Officer Michael Fanone: "Ich dachte daran, auf Leute zu schießen"

"Es ist schwierig, sich zu wehren, wenn du mit nur 30 Leuten gegen 15.000 stehst." Fanone stand an vorderster Front und verstellte den Randalierern den Weg. Dann wurde er in den Pulk gezogen. TV-Bilder belegen seine Aussage, dass er immer wieder mit Tasern traktiert wurde.

"Einige der Leute versuchten, meine Pistole zu kriegen. Sie schrien: 'Tötet ihn mit seiner eigenen Pistole!' An einem solchen Punkt geht es um den Selbstschutz und du fragst dich, wie kann ich diese Situation überleben. Und ich dachte daran, tödliche Gewalt zu nutzen, ich dachte daran, auf Leute zu schießen. Aber ich kam zu dem Schluss, dass wenn ich das tue, dass ich einige erwischen würde, aber nicht alle. Und dann würden sie mir meine Pistole wegnehmen, und das hätte ihnen definitiv die Berechtigung gegeben, auf die sie gewartet haben, mich zu töten – wenn sie das nicht sowieso schon vorhatten."

"Die andere Möglichkeit war, an jemandes Menschlichkeit zu appellieren. Ich erinnere mich daran, dass ich schrie: 'ich habe Kinder!' Und es scheint gewirkt zu haben. Einige Leute in der Menge begannen damit, mich zu umkreisen, und versuchten, mich etwas zu schützen. (...) Später haben mich einige gefragt, was ich über die Leute im Pulk denke, die mir geholfen oder mich etwas unterstützt haben. Ich bin zu dem Schluss gekommen, zu sagen: 'Danke, aber fuck you, dass ihr da ward.'"

Officer Daniel Hodges: "Die verschobene Wahrnehmung dieser Leute ist so unwirklich"

Hodges war der Polizist, der auf TV-Bildern zu sehen ist, wie er vor Schmerzen schreiend gegen eine Tür gedrückt wird. "Da war ein Typ, der meine Maske weggerissen hat. Er schaffte es auch, meinen Schlagstock an sich zu reißen und mich damit zu schlagen. Der hatte regelrecht Schaum vor dem Mund. Diese Leute waren Fanatiker ["true believers"] der schlimmsten Sorte." Als die Situation immer schlimmer geworden sei, habe ein anderer Polizist es glücklicherweise geschafft, ihm etwas Spielraum zu verschaffen, berichtet Hodges weiter, so dass er sich aus der schlimmsten Zwangslage befreien konnte. Wie durch ein Wunder habe er alles ohne schwerwiegende Verletzungen überstanden.

Geschockt sei er gewesen als er merkte, dass die Randalierer die Polizisten auf ihrer Seite wähnten. "Die verschobene Wahrnehmung und der fanatische Eifer dieser Leute ist so unwirklich. Sie schwenkten die blaue Fahne und sagten uns, wir sind nicht Eure Feinde während sie uns angriffen und einen von uns töteten. (...)"

"Einige von ihnen dachten, wir würden schnelle Freunde werden, etliche signalisierten verbal oder auf andere Weise, ihre Unterstützung der Polizei im letzten Jahr. Sie sagten: 'Wir haben Euch unterstützt bei all' den Black-Lives-Matter-Sachen.' (...) Sie fühlten sich dazu berechtigt. Sie dachten, sie könnten da einfach hochgehen und uns sagen, dass sie sich den Kongress zurückholen und dass wir damit übereinstimmen und wir Hand in Hand reingehen würden und das Land übernehmen würden. Natürlich war das nicht so und es wird auch niemals so sein."

Officer Christina Laury: "Sie wurden mit Metallstangen geschlagen ..."

Die Polizisten beschreibt, dass ihre KollegInnen auf vielfältige Weise angegriffen wurden. "Sie schoben und stießen Polizisten, schlugen Polizisten, besprühten uns mit Pfefferspray. Zwei bis drei Stunden waren diese Beamten heroisch und tapfer. (...) Diese Gewalt ... Sie wurden geschlagen mit metallischen Gegenständen, mit Metallstangen, ich habe Mistgabeln gesehen. Sie wurden besprüht, niedergeschlagen. Und ich erinnere mich, dass die Verstärkung kam und Beamte da rauszog, um sie in Sicherheit zu bringen und dann selber nach vorne an die Frontlinie zu gehen. Dann wurden sie überwältigt. Und noch mehr Polizisten schritten ein ..."

Quelle: CNN

dho

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