Karikaturen-Streit Proteste greifen auf Beirut über

In der arabischen Welt gehen die Proteste gegen Dänemark weiter: Nachdem die dänische Botschaft in Syrien angezündet worden war, brennt nun auch das dänische Konsulat in Beirut. Die Polizei konnte die aufgebrachten Menge nicht stoppen.

Wütende Muslime haben in der libanesischen Hauptstadt Beirut das Gebäude des dänischen Konsulats in Brand gesteckt. Das berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira unter Berufung auf Augenzeugen. Reporter vor Ort erklärten, den zahlenmäßig unterlegenen Sicherheitskräften sei es nicht gelungen, die Demonstranten aufzuhalten.

Ein Teil der Demonstranten seien mit der Brandstiftung nicht einverstanden gewesen. Ein islamischer Religionsführer sagte, "wir hatten zu einem friedlichen Protest aufgerufen". Die Zerstörung sei trotz der Wut wegen der Beleidigung des Propheten nicht gerechtfertigt.

Bereits am Samstag hatten in der syrischen Haupstadt Damaskus hunderte Demonstranten die dänische und wenig später die norwegische Botschaft in Brand gesetzt. In der Stadt Gaza griffen mehrere Hundert Palästinenser die deutsche Vertretung und das EU-Büro in Gaza an. Dutzende zum Teil maskierte junge Männer und Schüler hätten Steine auf die deutsche Vertretung in Gaza geworfen, Scheiben eingeschlagen und Mobiliar zertrümmert, berichteten Augenzeugen. "Die deutsche Fahne wurde abgerissen und angezündet", sagte ein Nachbar. Erst Polizeiverstärkung brachte die aufgebrachte Menge unter Kontrolle.

Botschaft geht in Flammen auf

Wie ein dänischer Botschaftssprecher im Rundfunk bestätigte, geriet das gesamte mehrstöckige Gebäude in Damaskus in Flammen. Dort sind auch die diplomatischen Vertretungen Schwedens und Chiles untergebracht. Anschließend zogen die aufgebrachten Demonstranten zur norwegischen Botschaft. Hier habe die Polizei, die sich bei der Erstürmung der dänischen Botschaft zurückgehalten hatte, eingegriffen, doch sei es den Demonstranten dennoch gelungen, das Gebäude in Brand zu setzen. Anschließend versuchten Demonstranten nach Augenzeugenberichten auch zu der französischen Botschaft zu gelangen, wurde aber von der Polizei aufgehalten.

Die Botschaften waren zum Zeitpunkt des Angriffs ebenso wie das EU-Büro und die deutsche Vertretung in Gaza nicht besetzt. Das Auswärtige Amt verurteilte den Vorfall in Gaza. Ein Sprecher in Berlin sagte, das Amt habe gegenüber der Palästinensischen Autonomiebehörde den Protest zum Ausdruck gebracht und einen sorgfältigen und effektiven Schutz der deutschen Einrichtungen verlangt. Dieses sei zugesagt worden.

Polnisches Ehepaar in Gaza verschleppt

Die Randalierer sagten, sie wollten gegen eine Beleidigung des Propheten Mohammed protestieren, nachdem die ursprünglich in Dänemark veröffentlichten Karikaturen auch in deutschen Zeitungen gedruckt wurden. Militante Palästinenser verschleppten in Gaza auch ein polnisches Ehepaar.

UN-Generalsekretär Kofi Annan versuchte unterdessen, die Wogen zu glätten. Zwar respektiere er die Pressefreiheit, doch er teile auch den Unmut der Muslime, sagte Annan am Freitag in New York. Die Krise müsse sofort überwunden, die ohnehin schwierige Lage dürfe nicht weiter angeheizt werden. Er rief die Muslime auf, die Entschuldigung der dänischen Zeitung, in der die Zeichnungen vor vier Monaten zuerst erschienen waren, zu akzeptieren. Das ganze dänische Volk oder Europa dürfe nicht für die Handlung einzelner Journalisten bestraft werden.

Deutliche Kritik von Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte die Gewaltaufrufe von Muslimen im Karikaturenstreit scharf. Zwar könne sie durchaus verstehen, dass die Bilder die religiösen Gefühle von Muslimen verletzt haben. Es sei jedoch "inakzeptabel, auf dieser Grundlage eine Legitimierung von Gewalt zu sehen".

Nach Großbritannien bezeichnete auch die US-Regierung die Veröffentlichung der Karikaturen als "beleidigend", verteidigte aber das Recht auf Meinungsfreiheit. US-Außenamtssprecher Sean McCormack rief in Washington zum Dialog und Gewaltverzicht auf. Auch der EU-Koordinator für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, rief zur Mäßigung auf. "Toleranz und gegenseitiger Respekt spielen eine ebenso große Rolle wie das Prinzip der Meinungsfreiheit", sagte Solana der "Bild am Sonntag".

DPA DPA

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