Karikaturen-Unruhen Falscher Mohammed mit Schweinsnase


Eine der Karikaturen, die weltweit für Aufruhr sorgten, hat sich als Fälschung herausgestellt. Die Abbildung des Propheten mit Schweinsgesicht zeigt in Wirklichkeit einen Komiker bei einer Meisterschaft im Schweinequieken.

Dänische Medien haben den französischen Automechaniker und Hobbykomiker Jacques Marrot als Originalvorlage für eine angebliche und stark umstrittene Abbildung des Propheten Mohammed mit Schweinsnase und Schweineohren ausfindig gemacht. Wie "Ekstra Bladet" in Kopenhagen berichtet, hat sich Marrot im letzten Sommer mit aufgesetzter Nase und Ohren bei einer Jux-Meisterschaft im Schweinequieken in Trie-sur-Baise ablichten lassen.

Imame entlarvt?

Nach dem Ausbruch der globalen Proteste gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen war das Bild eines Agenturfotografen in leicht verfremdeter Form wieder aufgetaucht, weil es von dänischen Imamen bei einer Reise durch arabische Länder neben den zwölf Karikaturen der Zeitung "Jyllands-Posten" als Beispiel für beleidigende Darstellungen des Propheten vorgelegt worden war.

Der Kopenhagener Imam Ahmed Akkari sagte zur "Enthüllung" der Boulevardzeitung, das Bild sei dänischen Muslimen in höhnischer Absicht anonym als Mohammed-Darstellung zugeschickt worden, was nichts mit der Identität der abgebildeten Person zu tun habe. "Ekstra Bladet" meinte dagegen, dass die Imame nun "entlarvt" seien.

Weiterhin gewaltsame Proteste

Nichts desto trotz hat sich die Empörung über die Karikaturen des Propheten Mohammed in der islamischen Welt wieder in Demonstrationen und gewaltsamen Protesten gegen westliche Einrichtungen entladen. In der südafghanischen Stadt Kalat erschossen Sicherheitskräfte vier Demonstranten, die auf einen US-Stützpunkt zu marschierten. In Hebron im Westjordanland verwüsteten Demonstranten das Gebäude der Beobachtermission TIPH.

Die europäischen Regierungen setzen im Propheten-Streit auf Deeskalation. Frankreichs Präsident Jacques Chirac sagte nach Angaben seines Sprechers Jean-François Cope in einer Kabinettssitzung, es sollte alles vermieden werden, "was die Überzeugungen anderer - insbesondere religiöse - beleidigen könnte".

Die USA und andere Länder prüfen unterdessen, ob die oft gewaltsamen Proteste in den verschiedenen Ländern zentral gesteuert werden. Man gehe der Frage nach, ob es zwischen den vielen Demonstrationen von Nahost über Afghanistan und Bangladesch bis Indonesien eine Verbindung und eine Infrastruktur gebe, sagte ein US-Militärsprecher, Oberst James Yonts, in Afghanistan. Beweise für eine Beteiligung von Organisationen wie den Taliban oder dem Terrornetzwerk al Kaida gebe es derzeit nicht.

Neues Öl ins Feuer gegossen

Während die französische Regierung versucht, die aufgebrachten Moslems zu beschwichtigen, weichen einige Medien keinen Schritt zurück. So druckte das französische Satire-Blatt "Charlie-Hebdo" die von der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" veröffentlichten Karikaturen nach und fügte denen eine eigene Zeichnung hinzu.

Darin wird ein Prophet Mohammed gezeigt, der den Kopf in seine Hände stützt. Darunter steht die Zeile: "Schlimm, von Idioten verehrt zu werden." Ein Gericht hatte zuvor den Antrag von fünf muslimischen Organisationen abgelehnt, "Charlie-Hebdo" den Nachdruck der dänischen Karikaturen zu untersagen. Der Chefredakteur des Wochenblatts, Philippe Val, sagte, es sei keine Provokation, seine Rechte auszuüben.

Jemen schließt zwei Zeitungen

Die Behörden im Jemen reagieren auf Nachdrucke ungleich strenger. Zwei Wochenzeitungen sind wegen des Nachdrucks der Mohammed-Karikaturen geschlossen worden. Wie das Informationsministerium mitteilte, wurden dem englischsprachigen "Yemen Observer" und dem arabischen "al Rai al Aam" die Lizenz entzogen. Gegen die Chefredakteure würden Strafverfahren eingeleitet, da nach dem jemenitischen Presserecht die Verbreitung von jeglichem Material verboten sei, das den islamischen Glauben beleidige.

Dänische Sportler sagen Turniere ab

Dänische Profisportler haben nach den massiven Protesten gegen die in ihrem Land veröffentlichten Karikaturen mehrere Turniere in islamischen Ländern abgesagt. Nachdem der Tischtennisspieler Michael Maze seine Meldung für Wettbewerbe in Katar und Kuwait zurückgezogen hatte, bestätigte der Golfverband in Kopenhagen, dass die Profis Anders Hansen und Søren Kjeldsen nicht wie geplant an einem Turnier in der indonesischen Hauptstadt Jakarta teilnehmen würden. Der Fußballverband DBU erklärte, man beobachte die Entwicklung mit Blick auf ein im März geplantes Länderspiel in Israel genau. Für Entscheidungen sei es aber noch zu früh.

DPA/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker