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Protokoll-Panne: Altkanzler Gerhard Schröder fehlt bei Trauerfeier für seinen "Freund" Jacques Chirac

Er würdigte ihn als "Freund", den er "persönlich sehr geschätzt" habe, doch zur Trauerfeier für Jacques Chirac erschien Altkanzler Gerhard Schröder nicht. Was steckt dahinter?

Zwei Staatsmänner, die sich gut verstanden haben: Jacques Chirac (li.) und Gerhard Schröder (im Jahr 2005). Trotzdem fehlt der Altkanzler bei der Trauerfeier für Chirac.

Zwei Staatsmänner, die sich gut verstanden haben: Jacques Chirac (li.) und Gerhard Schröder (im Jahr 2005). Trotzdem fehlt der Altkanzler bei der Trauerfeier für Chirac.

AFP

Bei der Trauerfeier für den früheren französischen Präsidenten Jacques Chirac ist es zu einer schweren protokollarischen Panne gekommen: Der für Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) vorgesehene Platz in Paris blieb am Montag leer. Schröders Büro hatte mitgeteilt, dessen Wunsch nach Teilnahme sei von französischer Seite abgelehnt worden. Der Elysée-Palast sprach von einem "Missverständnis".

Schröder war einer der wichtigsten europäischen Weggefährten Chiracs, beide Staatsmänner stemmten sich 2003 gegen die Irak-Angriffspläne des damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Der SPD-Politiker hatte den früheren Staatschef nach seinem Tod als "Freund" bezeichnet, den er "persönlich sehr geschätzt" habe. "Europa hat einen ganz Großen verloren", schrieb Schröder am Montag in einem Gastkommentar in der Zeitung "Die Welt". Chirac habe die deutsch-französische Freundschaft gelebt.

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Platz bei Trauerfeier für Gerhard Schröder reserviert

Nach Angaben des Pariser Präsidentenbüros war für den Altkanzler sowohl ein Platz bei dem Trauergottesdienst in der Pariser Kirche Saint-Sulpice reserviert als auch bei einem anschließenden Mittagessen mit Präsident Emmanuel Macron und anderen amtierenden und früheren Staats- und Regierungschefs.

Schröder wusste davon aber nichts und reiste deshalb gar nicht erst nach Paris, wie sein Büro mitteilte. Zunächst hatte es geheißen, die Protokollabteilung des Elysée-Palastes habe den Teilnahme-Wunsch des Altkanzlers abgelehnt und auf den begrenzten Platz in der Kirche Saint-Sulpice verwiesen.

Zeichen für größere deutsch-französische Distanz?

Dabei handelte sich es nach Elysée-Angaben aber um ein "Missverständnis": Eine offizielle Einladung habe es für keine der Dutzenden internationalen Gäste gegeben, hieß es. Stattdessen sei nur der protokollarische Weg beschritten worden. Nach Bekanntwerden dieser Stellungnahme erklärte Schröders Büro, offenbar habe es sich um ein "Kommunikationsproblem" gehandelt.

Der französische Fernsehsender LCI sprach von einem "Misston" bei den Trauerfeiern für Chirac. Die Zeitung "Le Figaro" nannte den Vorgang einen "Schnitzer" und verwies auf das angespannte Verhältnis zwischen Paris und Berlin. "Seit Chirac und Schröder sind die Beziehungen zwischen Paris und Berlin nicht mehr von der gleichen Nähe und dem Einverständnis geprägt, das Fortschritte in Europa erlaubt", kommentierte das Blatt.

Putin, Clinton, Steinmeier unter Trauergästen

An der Trauerzeremonie für den am Donnerstag im Alter von 86 Jahren verstorbenen Präsidenten nahmen dutzende Staats- und Regierungsspitzen aus der ganzen Welt teil. Darunter waren der russische Präsident Wladimir Putin und der frühere US-Präsident Bill Clinton. Deutschland wurde durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. Auch Vertreter aus der arabischen Welt waren anwesend, etwa der Emir von Katar.

Den Trauergottesdienst feierte der Pariser Erzbischof Michel Aupetit. Er würdigte Chirac als "warmherzigen" Menschen, der soziale Belange und die Familie im Blick gehabt habe. Zudem habe er Frankreich vor der Teilnahme an einem "ungerechten Krieg" bewahrt, sagte der Erzbischof unter Anspielung auf den US-geführten Irak-Krieg. Nach der Trauermesse sollte Chirac im kleinsten Kreis auf dem Pariser Friedhof Montparnasse beigesetzt werden.

dho / AFP / DPA