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Streit um Richterkandidaten: "Ich dachte, sie sei eine Edelhure" - Ex-Freunde attackieren mutmaßliche Kavanaugh-Opfer

Der Streit um die Berufung von Brett Kavanaugh ans Oberste Gericht in den USA mutiert weiter zur Schlammschlacht. Nun tauchen auf einmal angebliche Ex-Freunde der Zeuginnen auf - und haben nichts Gutes über ihre Verflossenen zu berichten.

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Am Samstag soll der US-Senat über die Kandidatur von Brett Kavanaugh für den Obersten Gerichtshof abstimmen. Drei Frauen werfen dem von Präsident Donald Trump vorgeschlagenen Anwärter auf das höchste Richteramt sexuelle Übergriffe vor. Die Demokraten laufen gegen die Nominierung Sturm, die meisten Republikaner stehen hinter Kavanaugh. Kurz vor der finalen Abstimmung tauchen nun zwei Statements auf, die angeblich von Ex-Freunden von zwei der drei Zeuginnen stammen. Der eine stellt die Glaubwürdigkeit von Christine Blasey Ford in Frage, der andere attackiert Julie Swetnick - und geht dabei deutlich unter die Gürtellinie.

Das Schreiben eines angeblichen Ex-Freundes von Blasey Ford veröffentlichte Trumps Haussender Fox News. Der Mann will anonym bleiben und behauptet, von 1992 bis 1998 mit der Professorin liiert gewesen zu sein. Er zweifelt mehrere ihrer Aussagen vor dem Justizausschuss vergangene Woche an. So habe sie seines Wissens keine Angst vorm Fliegen oder engen Räumen, wie bei der Anhörung von ihr behauptet. Außerdem habe sie damals einer Freundin dabei geholfen, sich auf einen Lügendetektortest vorzubereiten, was ihrer Aussage unter Eid widersprechen würde. Ihm gegenüber habe sie nie von einem sexuellen Übergriff berichtet. Am Ende seines Statements erwähnt er noch, dass Blasey Ford ihn damals mit einem anderen Mann betrogen habe und anschließend für 600 US-Dollar mit seiner Kreditkarte einkaufen gegangen war.

Julie Swetnick (l.) und Christine Blasey Ford sind zwei der drei Frauen, die Brett Kavanaugh beschuldigen

Julie Swetnick (l.) und Christine Blasey Ford sind zwei der drei Frauen, die Brett Kavanaugh beschuldigen

DPA

Statement gegen Julie Swetnick unter Gürtellinie

Das Statement gegen Julie Swetnick machten die republikanischen Senatoren des Justizausschusses selbst öffentlich in einer Kurz-Version und einer ausführlichen. Darin beschreibt ein gewisser Dennis Ketterer, ehemaliger Wettermann für einen lokalen US-Fernsehsender, mit Swetnick 1993 über mehrere Wochen eine Art Affäre gehabt zu haben. Zwar hätten die beiden nie Sex gehabt, es habe aber "physischen Kontakt" gegeben und die beiden hätten über ihre sexuellen Vorlieben gesprochen. Swetnick habe eine Vorliebe für Gruppensex und dies bereits seit ihrer Highschool-Zeit.

Die 55-Jährige hatte Kavanaugh vorgeworfen, gemeinsam mit seinem Freund Mark Judge an Situationen beteiligt gewesen zu sein, die später in Gruppenvergewaltigungen ausgeartet wären. "Ich habe gesehen wie Mark Judge, Brett Kavanaugh und andere versucht haben, Mädchen betrunken zu machen, sodass sie dann in einem Nebenraum von mehreren Jungs missbraucht werden konnten", zitierte ihr Anwalt Michael Avenatti Ende September seine Mandantin. Avenatti ist auch der Anwalt von Stormy Daniels, die behauptet, eine Affäre mit Donald Trump gehabt und dafür Schweigegeld kassiert zu haben. Swetnick gab an, auch selbst auf einer Party von mehreren Schülern vergewaltigt worden zu sein. Auf dieser Party seien auch Judge und Kavanaugh gewesen.

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"Mein erster Gedanke war, dass sie eine Edelhure ist"

In dem Statement stellt Ex-Wettermann Ketterer Swetnick in keinem guten Licht dar. Sie habe "von Anfang an gewusst", dass er damals verheiratet war und sei trotzdem "sexuell aufdringlich" geworden. Sie habe ihn in einer Bar angesprochen. "Mein erster Gedanke war, dass sie eine Edelhure (engl. high end call girl) sein könnte." Schließlich habe er damals 350 Pfund gewogen, und was habe sie sonst mit ihm gewollt. Anschließend hätten die beiden sich mehrfach getroffen, bis sie ihn gefragt habe, ob er sich vorstellen könnte, gemeinsam mit mehreren anderen Männern mit ihr Sex zu haben. "Aids war ein großes Thema damals. Und ich hatte Kinder. Weil sie mir direkt sagte, eine Neigung für Gruppensex zu haben, habe ich den Kontakt zu ihr abgebrochen."

In den Treffen habe sie ihm gegenüber nie erwähnt, sexuell genötigt oder vergewaltigt worden zu sein. Von ihrem Vater habe er drei Jahre später erfahren, dass sie psychische Probleme habe. "Basierend auf meinen direkten Erfahrung mit Julie, schenke ich ihren Anschuldigungen gegen Herrn Kavanaugh keinen Glauben", schließt Ketterer seine Aussage.

Republikaner ändern Gangart gegen Zeuginnen

In den entscheidenden Tagen vor der Entscheidung im Senat ändern die Republikaner offenbar ihre Gangart im Umgang mit den Zeuginnen, die gegen Kavanaugh aussagen. Donald Trump machte sich unter der Woche bei einer Wahlkampfveranstaltung über Blasey Ford und ihre Erinnerungslücken lustig, äffte sie sogar nach. Dafür war er allerdings selbst von einigen republikanischen Senatoren und Senatorinnen kritisiert worden.

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Der Vorsitzende des Justizausschusses, der Republikaner Chuck Grassley, verlangte wiederum Einblick in die ärztlichen Unterlagen aus Blasey Fords Therapiestunden und warf ihr offen Unehrlichkeit vor. 

Swetnicks Anwalt Avenatti kritisierte neben Grassley auch den republikanischen Senator Lindsey Graham, einen engen Verbündeten Trumps. Er und Grassley würden "Slut shaming" gegen seine Mandantin betreiben und einen substanzlosen Brief veröffentlichen, in dem sie "Hure" genannt werde. Dies sei "beschämend".

fin
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