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"Saturday Night Live": "Vergeltung": Trump tobt wegen Sketch in Kult-Satireshow

Hollywoodstar Alec Baldwin hat in der Comedysendung "Saturday Night Live" Donald Trumps Notstandserklärung parodiert. Dem US-Präsidenten passte das überhaupt nicht.

US-Präsident Donald Trump

Reagierte äußerst dünnhäutig auf die Satire von "Saturday Night Live": US-Präsident Donald Trump

AFP

Dass Donald Trump nicht gerade zur Selbstironie neigt, zeigen seine immer wiederkehrenden Attacken auf die US-Satireshow "Saturday Night Live". Genauso regelmäßig wie die Kult-Comedysendung den Präsidenten aufs Korn nimmt, regt dieser sich darüber auf. Vor allem die Trump-Parodien von Hollywoodstar Alec Baldwin sind dem Republikaner ein Dorn im Auge.

Am Wochenende hat Baldwin mal wieder die blonde Perücke aufgesetzt und das orangebraune Make-up auftragen lassen. Dieses Mal nahm er Trumps Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses von vergangenen Freitag auf die Schippe, als der Präsident die Ausrufung des nationalen Notstands ankündigte. Mit der Maßnahme will Trump sich Geld verschaffen, um die von ihm versprochene Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen.

Donald Trump droht indirekt mit Vergeltung

"Ihr seht alle, warum ich diesen Notfall vortäuschen muss, oder?" ätzt der Baldwin-Trump in dem Sketch. "Ich muss es tun, weil ich es will. Es ist wirklich einfach. Wir haben ein Problem. Drogen kommen in dieses Land durch keine Mauer", verkündet er mit zunehmend verkümmerter Grammatik. "Mauer funktioniert, Mauer macht sicher. Man muss nicht klug sein, um das zu verstehen - tatsächlich ist es sogar noch leichter zu verstehen, wenn man nicht so klug ist."

Dann imitiert Baldwin Trumps Sing-Sang, als dieser im Rosengarten von den rechtlichen Herausforderungen sprach, die seiner Notstandserklärung bevorstünden. Dabei nimmt der Schauspieler die umstrittene Nominierung von Brett Kavanaugh als Oberster Richter ebenso ins Visier wie die Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller zu mutmaßlichen geheimen Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland:

"Ich werde sofort verklagt werden und das Urteil wird nicht zu meinen Gunsten ausfallen, und dann wird es vor dem Obersten Gerichtshof landen, und dann werde ich meinen Kumpel Kavanaugh anrufen und ich werde sagen: "Es ist Zeit, die Schuld bei Donny zu begleichen", und er wird sagen: 'Neues Telefon, wer da?' Und bis dahin wird der Mueller-Bericht veröffentlicht, der mein Kartenhaus zum Einstürzen bringt, und ich kann auf Geistesgestörtheit plädieren und ein paar Monate in der Puzzlefabrik verbringen, und meine persönliche Hölle, Präsident zu spielen, wird endlich vorbei sein."

Obwohl Trump immer wieder betont, wie furchtbar er "Saturday Night Live" findet, hat er sich die Sendung offenbar mal wieder angesehen, denn nur wenige Stunden nach ihrer Ausstrahlung attackierte er die Show und den zuständigen Sender NBC heftig via Twitter: "Nichts Lustiges am müden Saturday Night Live auf Fake-News NBC!" schimpfte der Präsident. "Frage ist, wie kommen die Sender ohne Vergeltung mit diesen totalen Anschlägen auf die Republikaner durch? Ebenso wie viele andere Shows? Sehr ungerecht und sollte untersucht werden. Das ist die wahre geheime Absprache!"

Wenige Minuten später schickte er noch einen Tweet in Wut-Versalien hinterher, in dem er gegen die gesamte Medienbranche wetterte: "DIE MANIPULIERTEN UND KORRUPTEN MEDIEN SIND DER FEIND DES VOLKES!"

Dass Trump in seinen Tweets "Vergeltung" geschrieben und eine Untersuchung gefordert hat, kam bei einigen Politikern und Journalisten gar nicht gut an. Sie witterten einen Angriff auf den 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, in dem die Rede- und Pressefreiheit garantiert werden: 

"Lieber @realDonaldTrump: Eine Sache, die Amerika groß macht, ist, dass die Leute ohne Vergeltung über dich lachen können. Der 1. Verfassungszusatz erlaubt es Saturday Night Live, sich immer und immer und immer wieder über dich lustig zu machen", twitterte der demokratische Kongressabgeordnete Ted Lieu und riet dem Präsidenten. "Sie sollten die Verfassung lesen oder sich darüber informieren lassen."

Und der Washington-Korrespondent der "New York Times", Peter Baker, klagte, solche Angriffe auf die Medien durch den Präsidenten seien in den letzten zwei Jahren so alltäglich geworden, dass sie nicht mehr viel Beachtung fänden. "Aber es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass kein anderer Präsident seit Jahrzehnten einem Fernsehsender öffentlich 'Vergeltung' angedroht hat, weil dieser ihn persifliert hat."

Einige Kommentatoren wiesen auf die Gewalt hin, die in den vergangenen Monaten gegen Mitglieder der Nachrichtenmedien ausgeübt wurde. So ist erst vor wenigen Tagen ein Kameramann der BBC bei einer Trump-Kundgebung von einem Mann aus dem Publikum angegriffen worden. Im vergangenen Oktober schickte ein Mann Rohrbomben an den US-Sender CNN und mehrere Trump-Kritiker. Und im Juni 2018 erschoss ein 38-Jähriger fünf Mitarbeiter der Zeitung "Capital Gazette" in Annapolis im US-Bundesstaat Maryland.