Keine strahlende Zukunft Kanzlerin Merkel warnt vor der "schmutzigen Bombe"


Es ist die Angst vor der "schmutzigen Bombe", die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Atomgipfel in Washington umtreibt. Die Angst vor einer Bombe also, die nicht Atombombe, auch nicht Sprengbombe ist, sondern in ihrer Wirkung irgendwo dazwischen liegt.

Es ist die Angst vor der "schmutzigen Bombe", die Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Atomgipfel in Washington umtreibt. Die Angst vor einer Bombe also, die nicht Atombombe, auch nicht Sprengbombe ist, sondern in ihrer Wirkung irgendwo dazwischen liegt. Bei der zweitägigen Konferenz zur Nuklearsicherheit in der amerikanischen Hauptstadt mühen sich 47 Staats- und Regierungschefs auf Einladung von US-Präsident Barack Obama, eine Regelung für den Umgang mit dem gefährlichen Material zu finden.

"Schmutzige Bomben" sind normale Sprengkörper, die mit radioaktivem Material bepackt sind. Das kann schwach strahlender Müll sein, und auch wenn die Wirkung niemals an die einer reinen Atombombe heranreicht, ist das Bedrohungsszenario groß: Zur zerstörerischen Wirkung des Sprengstoffs kommt noch die der Strahlung hinzu. Denkbar sind Verunsicherungen in der Bevölkerung bis hin zu weitergehenden Folgen für die Wirtschaft.

Schwach radioaktives Material wird mindestens für den Bau einer "schmutzigen Bombe" benötigt, und das gibt es auch in Deutschland massenhaft: Insbesondere in Krankenhäusern wird mit dem strahlenden Material hantiert. Dazu kommen noch ein paar Forschungslabore. Allerdings machen den Deutschen nicht die Zustände im eigenen Land sorgen. Was Merkel und mit ihr US-Präsident Obama umtreibt, sind die Zustände, der möglicherweise zu sorglose Umgang mit radioaktivem Material im Ausland.

In Deutschland, darauf wies Merkel auf dem Gipfel hin, schützt das Atomgesetz vor illegalen Praktiken im Zusammenhang mit Nuklearmaterial. Über jede noch so kleine Menge wird genauestens Buch geführt, der Weg jeden Gramms Material lässt sich genau zurückverfolgen.

Die deutschen Katastrophenschutz-Organisationen haben bereits im vergangenen Jahr für 2010 eine großangelegte Übung mit der Explosion einer "schmutzigen Bombe" angekündigt. Auch das zeigt, wie ernst das Thema in Deutschland genommen wird.

Sorgen machen sich die Regierungschefs eher über die Entwicklungs- und Schwellenländer, denen ein laxerer Umgang mit Nuklearmaterial unterstellt wird. Die wiederum ahnten vor dem Atomgipfel am Montag und Dienstag schon, dass ihnen massive Einschränkungen der zivilen Nutzung ihrer atomaren Bestände drohen und machten hinter den Kulissen - allen voran Ägypten - mächtig Dampf. Regelungen ja, hieß es, aber nur auf freiwilliger Basis.

Das erinnerte Beobachter der Veranstaltung im mächtigen Washington Convention Center - mit 210.000 Quadratmetern Fläche das größte Gebäude der Hauptstadt und eines der größten Veranstaltungszentren der USA überhaupt - an andere Gipfel. Gipfel zum Artenschutz, Gipfel zum Klima etwa, die meist groß starteten und über Absichtsbekundungen nicht hinauskamen.

Immerhin: Einen Aktionsplan soll es geben, eine einigermaßen verbindliche Verabredung über das weitere Vorgehen. Kanzlerin Merkel machte sich für ein juristisches Regelwerk stark, forderte eine bessere Ausnutzung und Vernetzung bestehender Paragrafen, wie sie zum Beispiel bei den Vereinten Nationen zur Kontrolle von Nuklearmaterial bereits bestehen. Wie hoch die Halbwertzeit dieser Vereinbarungen ist, kann nur die Zukunft zeigen.

Stefan Lange, APN APN

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