Atomgipfel in Washington Netanjahu sagt Obama überraschend ab


Israels Ministerpräsident Netanjahu hat den Atomgipfel in Washington abgesagt. Offenbar befürchtet er bei dem Treffen kommende Woche Kritik am eigenen Atomprogramm.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird nicht zum internationalen Gipfel zur Atomsicherheit Anfang kommender Woche in Washington reisen. Wie ein Regierungsmitarbeiter am Freitag weiter mitteilte, reagiert Israel damit auf Informationen, wonach eine Reihe von Ländern die Gelegenheit für eine anti-israelische Kampagne während des Gipfels nutzen wolle. Netanjahu habe deshalb entschieden, dass Atomenergieminister Dan Meridor die israelische Delegation leiten werde. Der Ministerpräsident werde sich am Sonntag noch persönlich äußern.

Israel gilt seit Jahrzehnten als Atommacht, obwohl es den Besitz von Nuklearwaffen offiziell nie bestätigt hat. Mit den bisherigen US- Regierungen bestand eine stillschweigende Übereinkunft, wonach Israel sein Atomwaffenpotenzial nicht offenlegen muss.

Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtete am Freitag, dass eine Gruppe muslimischer Staaten unter Führung Ägyptens und der Türkei die israelische Regierung zur Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags drängen wolle. Die Arabische Liga setzt sich seit Jahren für eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten ein.

Auch Merkel reist nach Washington

Man sei "enttäuscht" von der Entwicklung im Vorfeld der Konferenz, zitierte "Haaretz" ein namentlich nicht genanntes Mitglied der israelischen Regierung. "Bei der Konferenz sollte es um den Umgang mit der Gefahr des nuklearen Terrors gehen... In den letzten Tagen haben wir aber Berichte über die Pläne einiger Teilnehmerstaaten erhalten, von der Frage des Kampfes gegen den Terror abzurücken und stattdessen die Veranstaltung dazu zu missbrauchen, Israel beim Atomwaffensperrvertrag anzutreiben."

Zu dem Treffen hat US-Präsident Barack Obama Vertreter aus 43 Ländern eingeladen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der zweitägige Gipfel beginnt am kommenden Montag.

Der Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty), der die Verbreitung von Nuklearwaffen verbietet, wurde bisher von knapp 190 Staaten unterzeichnet, nur nicht von Israel, Indien, Nordkorea und Pakistan.

DPA DPA

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