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Ein ewiger Verlierer Fünf Mal trat Raila Odinga bei den Präsidentschaftswahlen in Kenia an. Fünf Mal scheiterte er

Raila Odinga Kenia
Der Sisyphos von Kenia: Fünf Mal ist Raila Odinga bei der Wahl zum Präsidenten gescheitert
© Tony Karumba / AFP
Es ist ein beinahe schon tragisches Schicksal eines umstrittenen Politikers. Fünf Mal hat Raila Odinga den Versuch unternommen, Präsident von Kenia zu werden. Fünf Mal ist er damit gescheitert.

Raila Amolo Odinga hat den Großteil seines erwachsenen Lebens in der Politik verbracht. Als Demokratie-Aktivist saß er sogar acht Jahre im Gefängnis. Doch auch bei seiner fünften Präsidentschaftswahl ist der 77-Jährige nun unterlegen. Und wie schon bei den zwei Wahlen zuvor ist er überzeugt, dass er um seinen Sieg betrogen wurde. Er kündigte an, das Ergebnis anfechten zu wollen. Dabei könnte der Grund für die Niederlage ausgerechnet in der Aussöhnung mit einem langjährigen Gegner liegen.

Odinga gibt sich seit jeher als anti-elitärer Unruhestifter, obwohl er einer von Kenias wichtigsten politischen Dynastien angehört. Auch die Entscheidung, sich mit seinem Erzrivalen, dem amtierenden Präsidenten Uhuru Kenyatta, zu verbünden, lassen diese Inszenierung überholt erscheinen.

Die Familien der beiden dominieren die Politik in dem ostafrikanischen Land seit dessen Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft im Jahr 1963. Uhuru Kenyattas Vater Jomo war Kenias erster Präsident, und sein Rivale Jaramogi Oginga Odinga, Railas Vater, diente als Vize-Präsident. 

Seine frühen Jahre als Politiker verbrachte Raila Odinga entweder im Gefängnis oder im Exil. Während der autokratischen Regierungszeit von Präsident Daniel arap Moi war Odinga ein Kämpfer für die Demokratie. 1992 zog er ins kenianische Parlament ein und kandidierte dann 1997, 2007, 2013 und 2017 erfolglos für das Präsidentenamt. 

Wahl von 2007 dunkler Fleck in der Geschichte von Kenia

Insbesondere die Wahl 2007 warf einen dunklen Schatten auf Kenias Politik. Neben Odinga befanden auch zahlreiche unabhängige Beobachter den Urnengang als äußerst mängelbehaftet. Bei den anschließenden gewalttätigen Auseinandersetzungen von Anhängern der verschiedenen politischen Lager kamen mehr als 1100 Menschen ums Leben.

Umso überraschender kam für viele nach Jahrzehnten der Feindschaft die Allianz zwischen Odinga und Kenyatta im März 2018. Doch die Unterstützung des Präsidenten barg Risiken für den ehemaligen Premierminister. Sein Widersacher, Vizepräsident William Ruto, konnte sich nun selbst als Anti-Establishment-Kandidaten inszenieren.

Odinga polarisiert die Kenianer seit seinem Eintritt in die Politik. Während er seinen Anhängern als dringend gebrauchter Reformer gilt, sehen seine Kritiker in ihm einen aufwieglerischen Populisten. Er gilt als charismatischer Redner, gleichzeitig hat er den Ruf, stur und bisweilen aufbrausend zu sein. 

In den 60er Jahren studierte Odinga in der DDR Maschinenbau. Einen seiner Söhne benannte er nach Fidel Castro. Heute ist er als Geschäftsmann zwar nicht so reich wie Kenyatta oder Ruto, besitzt aber ein Unternehmensimperium mit Anteilen an mehreren Energieunternehmen. Mit seiner Frau Ida ist Odinga seit beinahe 50 Jahren verheiratet, hat drei Kinder und fünf Enkel.

Als anglikaler Christ aufgewachsen, konvertierte er später zum Evangelikalismus und wurde 2009 in einem Swimmingpool in Nairobi von einem selbsternannten Propheten getauft. Bei seiner Präsidentschaftskampagne 2017 versprach er seinen Anhängern, sie in das mythische gelobte Land Kanaan zu führen. 

Der Fan des Londoner Fußballvereins Arsenal schreibt es seiner Liebe zum Sport zu, eine gelassene Einstellung zur rauen Welt der Politik entwickelt zu haben. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP im vergangenen Jahr sagte er: "Mal verliert man, mal gewinnt man. Es tut weh, aber das ist der Weg zur Vollendung."

Will Odinga noch ein sechstes Mal antreten?

Doch auch bei seinem fünften Versuch blieb ihm diese "Vollendung" offenbar verwehrt. Es ist unklar, ob der 77-Jährige auch ein sechstes Mal antreten wird. Zunächst will Odinga alle "rechtlichen Möglichkeiten" ausschöpfen, um gegen das Wahlergebnis vorzugehen. Dieses ist nicht nur extrem knapp, sondern wurde auch von vier der sieben Mitglieder der kenianischen Wahlkommission angezweifelt. 

Am Montagabend brachen bereits Proteste in mehreren Odinga-Hochburgen aus. Danach blieb die Lage zunächst ruhig. Dennoch wächst die Angst vor Unruhen wie nach der Wahl 2007. Vieles wird davon abhängen, wie Odinga mit der Situation umgeht. 

Ammu Kannampilly/kng AFP

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