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Konferenz in Teheran: Holocaust-Leugner unter sich

Skandal-Konferenz in Teheran: Wissenschaftler aus der ganzen Welt wollen in der iranischen Hauptstadt zwei Tage lang das "wahre Ausmaß" der Judenermordung während des Nationalsozialismus erkunden. An der heftig umstrittenen Tagung nehmen angeblich auch acht Deutsche teil.

Ungeachtet internationaler Kritik hat im Iran eine Holocaust-Konferenz begonnen. Angeregt wurde die umstrittene Veranstaltung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der die Ermordung von Millionen Juden im Zweiten Weltkrieg als Mythos bezeichnet hat. An der zweitägigen Konferenz in Teheran nehmen nach Angaben der Organisatoren 67 Wissenschaftler und Gelehrte aus 30 Ländern teil.

Auch Deutsche und Franzosen sind geladen

Aus Deutschland wurden offiziell zwei Gäste eingeladen, aber ein Sprecher im iranischen Außenministerium sagte der dpa, dass sechs weitere Deutsche als einfache Touristen nach Teheran gekommen seien und ihr Visum am Flughafen erhalten hätten. Wer diese Personen genau sind, sei dem Außenministerium unbekannt, erklärte der Sprecher.

An der Veranstaltung nimmt auch der französische Schriftsteller Georges Thiel teil, der den nationalsozialistischen Massenmord an den rund 6 Millionen Juden zwischen 1933 und 1945 als „riesige Lüge“ bezeichnet hat.

Ziel der Konferenz sei ein "freier Meinungsaustausch über ein historisches Thema", sagte Rassul Mussawi, Leiter des Instituts für Politische und Internationale Studien, das die Tagung veranstaltet. Das Institut ist dem Außenministerium angegliedert. Die Konferenz biete die Möglichkeit, Fragen zum Holocaust abseits von westlichen Tabus zu diskutieren, sagte Mussawi. Es gehe weder darum, den Holocaust zu leugnen, noch ihn zu beweisen.

Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert hat in einem Brief an den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gegen den Geist und die Absichten der Konferenz protestiert. "Ich verurteile nachdrücklich jeden Versuch, unter dem Vorwand wissenschaftlicher Freiheit und Objektivität antisemitischer Propaganda ein öffentliches Forum zu bieten“, schreibt Lammert. Er betont: „Die vielfach wissenschaftlich bestätigten historischen Fakten über den Holocaust können und dürfen nicht durch angeblich neue wissenschaftliche Erkenntnisse in einen vermeintlichen Zweifel gezogen werden."

Iran weist Kritik zurück

Der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki wies die Kritik an der Konferenz als vorhersehbar zurück. "Wenn die offizielle Version des Holocausts in Zweifel gezogen wird, dann wird auch die Identität und das Wesen Israels in Zweifel gezogen werden", sagte Mottaki vor den Delegierten. "Und wenn sich der Holocaust während dieser Besprechung als historische Tatsache herausstellt, was für einen Grund gibt es dann, dass die muslimische Bevölkerung der Region und die Palästinenser den Preis für die Verbrechen der Nazis zahlen müssen?" fügte der iranische Außenminister hinzu.

Die Bundesregierung hatte noch in der vergangenen Woche ihren Unmut über die Konferenz geäußert und den iranischen Geschäftsträger ins Auswärtige Amt einbestellt. Auch die USA und Israel, dem Ahmadinedschad das Existenzrecht abgesprochen hat, verurteilten die Veranstaltung. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem kritisierte die Konferenz als Versuch, "extremistischen Ansichten einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben". Der Iran wolle die Leugnung des Holocausts etablieren.

Ein israelischer Araber, der in Nazareth das einzige arabische Holocaust-Museum leitet, darf nach eigenen Angaben nicht an der umstrittenen Holocaust-Konferenz in der iranischen Hauptstadt Teheran teilnehmen. Der Rechtsanwalt Chaled Machmid habe sich vergeblich um ein Visum für den Iran bemüht, schrieb die israelische Tageszeitung "Jerusalem Post" am Montag.

"Dies ist eine politische Entscheidung", sagte er dem Blatt. Das Institut, das die Konferenz veranstalte, habe ihn zunächst eingeladen, dann jedoch jeden Kontakt abgebrochen, nachdem seine israelische Staatsbürgerschaft bekannt geworden sei. Die Veranstalter hätten ihn offenbar zuerst für einen Palästinenser gehalten."Ich wollte die Holocaust-Leugner von Angesicht zu Angesicht treffen und ihnen beweisen, dass sie den Holocaust anerkennen müssen", sagte Machmid der Zeitung "Jediot Achronot".

Die Veranstaltung beleidige die jüdische Gemeinschaft, sagte Moris Motamed, der einzige jüdische Abgeordnete im iranischen Parlament. In der Islamischen Republik Iran leben rund 25.000 Juden.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters