VG-Wort Pixel

Konflikt eskaliert Nordkorea warnt auch Hilfsorganisationen


Nicht nur den ausländischen Botschaften in Pjöngjang wurde die Evakuierung nabegelegt, auch Hilfsorganisationen sollen die Ausreise planen. Doch die Welthungerhilfe zum Beispiel denkt nicht daran.

Die nordkoreanische Regierung hat auch ausländischen Hilfsorganisationen nahe gelegt, das Land zu verlassen. Bei einem Treffen auf Einladung des Außenministeriums in Pjöngjang seien nicht nur Diplomaten, sondern auch Vertreter internationaler Organisationen gebeten worden, eine Ausreise "ernsthaft zu prüfen", sagte der Programmmanager der Welthungerhilfe für Nordkorea, Gerhard Uhrmacher, der Nachrichtenagentur DPA. Seine Organisation habe daraufhin die Projektarbeit eingeschränkt, wolle aber zunächst im Land bleiben.

"Wir haben die Feldbesuche, also die Fahrten in die Projekte im Land, zunächst einmal suspendiert", sagte Uhrmacher. "Wir wissen nicht ganz genau, was tatsächlich passieren könnte. Und darum möchten wir, dass unsere Leute zunächst in der Hauptstadt sind." Bereits am Freitag war bekanntgeworden, dass mehreren Ländern nahe gelegt wurde, ihre Botschaftsmitarbeiter aus Sicherheitsgründen aus Pjöngjang abzuziehen. Bisher ist aber kein Land darauf eingegangen.

Hilfsorganisationen wollen vorerst bleiben

Auch für die Welthungerhilfe kommt eine Schließung ihrer Vertretung in Pjöngjang zunächst nicht infrage. "Wir wissen nichts davon, dass schon irgendjemand den Entschluss gefasst hat, komplett das Land zu verlassen. Auch wir planen das im Moment nicht", sagte Uhrmacher. "Es könnte aber eine Möglichkeit sein, dass man vorsichtshalber die Leute, die man nicht unbedingt im Land braucht, nach China ausreisen lässt. Da gibt es aber noch keinen klaren Beschluss."

Die Welthungerhilfe ist seit 16 Jahren in Nordkorea tätig und derzeit die einzige deutsche Hilfsorganisation in dem ostasiatischen Land. Sie führt dort derzeit sechs Projekte zur Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung, Abwasserentsorgung und Instandhaltung von Landmaschinen durch. Geleitet werden die Projekte von drei deutschen und einem spanischen Mitarbeiter. Daneben beschäftigt die Welthungerhilfe 30 Nordkoreaner.

Westerwelle kritisiert Pjöngjang scharf

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Warnungen, die ausländischen Botschaften in Pjöngjang zu evakuieren, scharf kritisiert. Fristsetzungen, nach deren Ablauf Nordkorea die Sicherheit von Botschaften nicht mehr gewährleisten wolle, seien "nicht akzeptabel", sagte Westerwelle laut Auswärtigem Amt. Es gebe hierzu "klare völkerrechtliche Regelungen", die auch für Nordkorea "verbindlich" seien.

Unterdessen rüstet sich Japan für den möglichen Start einer Mittelstreckenrakete in Nordkorea. Verteidigungsminister Itsunori Onodera werde die Armee in Kürze anweisen, Vorbereitungen zu treffen, eine solche Rakete abzufangen, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Sie berief sich dabei auf mehrere Regierungsquellen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Rakete auf Japan abgeschossen werde, ist nicht sehr hoch", wurde eine ungenannte Quelle zitiert. "Wir sollten aber für alle Eventualitäten vorbereitet sein."

Militär hatte nach südkoreanischen Angaben am Freitag eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes verlegt. Die Raketen haben eine Reichweite von bis zu 4000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen.

Warnung vor Reisen nach Nordkorea

In Nordkorea selbstscheint das Leben derzeit ganz normal zu verlaufen. Die wenigen Touristen, die am Samstag aus Nordkorea in der chinesischen Hauptstadt landeten, bekamen von dem Spannungen kaum etwas mit: "Wir hatten keine Angst, als wir dort waren", sagt die Dänin Tina Krabbe nach fünf Tagen im Norden. Das Leben in Nordkorea gehe "ganz normal weiter", findet auch Reiseveranstalter Nicholas Bonner. Die Lage sei natürlich gespannt - "aber alle hoffen, dass das bald vorbei sein wird".

Das Auswärtige Amt rät Touristen dennoch, auf "nicht unbedingt notwendige" Reisen zu verzichten, eine militärische Aktion vonseiten Nordkoreas könne nicht ausgeschlossen werden. Dass Pjöngjang die Botschaften im Land aufforderte, eine Evakuierung zu prüfen, erhöht die Unruhe. Der Siegburger Reiseveranstalter Bexte jedenfalls hat seine Reisen nach Nord- und Südkorea in den nächsten zwei Monaten vorerst komplett ausgesetzt.

nik/DPA/AFP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker