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Kongo: Der fast vergessene Krieg

Die UN sprechen von "willkürlichen Exekutionen", Beobachter warnen vor einem Völkermord wie 1994 in Ruanda. In den letzten Jahren starben rund 2,5 Millionen Menschen im Kongo an den Folgen des Bürgerkriegs.

Mehr als 300 Menschen sind in der Provinz Ituri bei Kämpfen zwischen den Milizen des Volkes der Hema und der Lendu in den vergangenen Wochen getötet worden. Oft wurden sie brutal gequält und zerstückelt. Es ist eine neue Episode im Bürgerkrieg des zentralafrikanischen Landes, der seit gut vier Jahren wütet und bis zu 4,7 Millionen Menschen das Leben gekostet haben dürfte. Die Welt nahm von diesem Krieg jedoch kaum Notiz, an dem bis zu neun nationale Armeen und eine große Zahl lokaler Milizen beteiligt waren.

Erst als in der vergangenen Woche zwei UN-Soldaten, einer aus Uruguay, der andere aus Malawi, buchstäblich in Stücke gehackt wurden, geriet der fast vergessene Konflikt wieder in die Schlagzeilen. Auf Drängen von UN-Generalsekretär Kofi Annan soll die bisher machtlose Friedenstruppe nun verstärkt werden. Die französische Regierung will ein Kontingent von Soldaten schicken, um das Morden einzudämmen. Weitere sollen folgen. Neben allen ethnischen Rivalitäten ist dies ein Konflikt um die Bodenschätze des Landes. An den Kobalt-, Diamanten- und Ölvorkommen der Region wollen nicht bloß lokale War Lords und die Regierung von Joseph Kabila in der Hauptstadt Kinshasa ihren Anteil haben, sondern auch Nachbarstaaten wie Uganda und Ruanda.

Kongo - von Diktaturen und Bürgerkriegen gebeutelt

Die Demokratische Republik Kongo (früher Zaire) ist mit rund 2,3 Millionen Quadratkilometern fast sieben Mal so groß wie Deutschland. Allerdings leben nur etwa 52 Millionen Menschen in Kongo, die zu zwei Dritteln in der Landwirtschaft arbeiten. Die Wirtschaft des von Diktaturen und Bürgerkriegen gebeutelten zentralafrikanischen Landes ist ruiniert: Pro Kopf der Bevölkerung erwirtschaftet Kongo jährlich nur gut 750 Dollar (650 Euro), deutlich weniger als etwa das ebenfalls arme Nachbarland Angola.

Als die frühere belgische Kolonie 1960 in die Unabhängigkeit entlassen wurde, träumten viele von Wohlstand und Selbstbestimmung. Denn das drittgrößte Land Afrikas ist reich an Bodenschätzen, fruchtbarem Ackerland und tropischem Regenwald; touristisch hat Kongo zum Beispiel den Virunga-Nationalpark mit seinen Gorillas zu bieten.

Skrupellose Selbstbereicherung

Doch die Kolonialherren hatten kaum in Bildung und Infrastruktur investiert. Zudem erschüttern ethnische Konflikte und Bürgerkriege das Land immer wieder. Während Diktator Mobutu Sese Seko sich skrupellos bereicherte und Milliarden von Dollar ins Ausland transferierte, lebten mindestens 30 Prozent der rund 52 Millionen Kongolesen weit unter der Armutsgrenze.

Nach Mobutus Sturz und der Machtübernahme durch Laurent Kabila 1997 hat sich die Lage nicht wesentlich gebessert. Die versprochenen freien Wahlen lassen auf sich warten, es wird von systematischen Folterungen und Ermordungen berichtet. Der Regierung wird die Ermordung von Tausenden von ruandischen Flüchtlingen vorgeworfen, die in Kongo Zuflucht gesucht hatten.