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Korea: Der Norden reicht dem Süden die Hand

Bringt der verstorbene Friedensnobelpreisträger Kim Dae Jung die beiden Teile Koreas doch noch einander näher? Fast scheint es so. Aus Anlass des Traueraktes für Kim äußerte Nordkoreas Machthaber den Wunsch nach besseren Beziehungen.

Nach monatelanger Eiszeit hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il den Wunsch nach besseren Beziehungen zu Südkorea geäußert. Bei einem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Myung Bak überbrachte eine Delegation von hochrangigen Funktionären aus Nordkorea am Sonntag eine mündliche Botschaft von Kim hinsichtlich Fortschritten bei der Zusammenarbeit beider Länder, wie ein Sprecher des Präsidialamts in Seoul mitteilte.

Nähere Einzelheiten der Botschaft nannte der Sprecher nicht. Es war das erste Mal seit seinem Amtsantritt vor knapp eineinhalb Jahren, dass der konservative südkoreanische Staatschef Vertreter aus dem kommunistischen Nachbarland empfing. Lees Haltung, Hilfszahlungen an den verarmten Norden an eine atomare Abrüstung zu knüpfen, war dort auf Unmut gestoßen.

Das Treffen fand wenige Stunden vor dem Staatsbegräbnis für den früheren Präsidenten Kim Dae Jung statt, dem die nordkoreanische Delegation am Freitag im Namen von Kim Jong Il die letzte Ehre erwiesen hatte. Der kürzlich verstorbene Friedensnobelpreisträger hatte mit seiner sogenannten Sonnenscheinpolitik vorübergehend ein politisches Tauwetter zwischen den verfeindeten Staaten erreicht, das im ersten Gipfeltreffen der beiden Regierungen kulminierte.

Nach den zuletzt heftigen Spannungen hatten sich zuletzt die Zeichen für die Bereitschaft Nordkoreas für eine vorsichtige Annäherung an den Süden gemehrt. Am Samstag war es zum bis dato hochrangigsten Kontakt seit fast zwei Jahren gekommen. Südkoreas Vereinigungsminister Hyun In Taek traf dabei in Seoul den für Beziehungen zum Süden zuständigen Funktionär der Arbeiterpartei, Kim Yang Gon.

Tausende von Gästen aus dem In- und Ausland, darunter auch die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright, nahmen unterdessen an dem Trauerstaatsakt für Kim Dae Jung vor der Nationalversammlung in Südkoreas Hauptstadt Seoul teil. Kim, der als Symbolfigur für die Demokratisierung Südkoreas gilt, war am Dienstag an Herzversagen gestorben. Er war 83 Jahre beziehungsweise - nach anderen biografischen Quellen - 85 Jahre alt. Während seiner fünfjährigen Amtszeit bis 2003 hatte Kim ist der zweite Staatspräsident Südkoreas, der in diesem Jahr gestorben ist. Sein direkter Nachfolger im Amt, Roh Moo Hyun, hatte sich im Mai im Alter von 62 Jahren das Leben genommen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters