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Kosovo: Der verdrängte Konflikt

Der Balkan war schon auf den Hinterhof der internationalen Politik geraten. Die erneute Eskalation der Gewalt im Kosovo erinnert daran, dass eine Lösung des ethnischen Konflikts in der von Belgrad abtrünnigen Provinz weit entfernt ist.

Das Kosovo im Süden des früheren Jugoslawiens ist mit 10 600 Quadratkilometern halb so groß wie Hessen. Seit Jahren bestimmt der Konflikt zwischen der albanischen Mehrheit und den Serben die Lage.

Etwa 1,9 Millionen Menschen leben in der Region. Fast 90 Prozent sind muslimische Albaner, der Rest zumeist christliche Serben. Nach dem Krieg der NATO gegen Jugoslawien 1999 waren Hunderttausende vertriebene Albaner in ihre verwüstete Heimat zurückgekehrt und hatten eine Fluchtwelle der im Kosovo heimischen Serben ausgelöst. Diese leben vor allem im Norden und sind auf den Schutz der von dem deutschen General Holger Kammerhoff kommandierten NATO-Schutztruppe KFOR angewiesen.

Wirtschaftliche Lage desolat

Trotz jahrelanger internationaler Hilfe ist die wirtschaftliche Lage im Kosovo desolat. Etwa die Hälfte der Menschen hat keine regelmäßige Arbeit. Die anderen leben hauptsächlich von der Landwirtschaft in den fruchtbaren Tälern des bergigen Landes, von Kleinhandel und Forstwirtschaft.

Über den künftigen Status des Kosovo ist noch nicht entschieden. De facto ist die Provinz seit der Einsetzung der UN-Verwaltung UNMIC und der KFOR 1999 ein Protektorat der Vereinten Nationen. Völkerrechtlich gehört sie zu Serbien und Montenegro. Die albanische Führung unter Präsident Ibrahim Rugova dringt auf Unabhängigkeit.

KFOR seit 1999 im Einsatz

Seit dem 12. Juni 1999 ist "Kosovo Force" im Einsatz. Zwei Tage zuvor hatte der UN-Sicherheitsrat die internationale Militärpräsenz mit der Resolution 1244 beschlossen, um nach dem Kosovo-Krieg in der von ethnischen Konflikten zwischen Albanern und Serben heimgesuchten Region Frieden und Stabilität zu sichern.

Zu den Aufgaben der KFOR gehört es, das Friedensabkommen der G-8-Staaten für das Kosovo militärisch abzusichern, Feindseligkeiten zu verhindern und die Bevölkerung zu schützen. Den im Kosovo tätigen internationalen Organisationen soll ein gefahrloses Umfeld für ihre Arbeit gewährleistet werden.

Seit Oktober 2003 hat der deutsche Generalleutnant Holger Kammerhoff für ein Jahr das Oberkommando über die rund 25 000 Mann starke Schutztruppe. Sie setzt sich aus militärischen Einheiten aus 19 NATO- Ländern und 19 anderen Staaten zusammen. Die KFOR mit Hauptquartier in der Regionalhauptstadt Pristina ist in fünf multinationale Brigaden in fünf Sektoren eingeteilt. Letztere stehen unter dem Kommando der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Deutschlands.

Bundeswehr-Kontigent umfasst etwa 3250 Soldaten

Das Kontingent der Bundeswehr umfasst etwa 3250 Soldaten, davon 106 Frauen, in der Multinationalen Brigade Südwest mit Hauptquartier in der Stadt Prizren und dem KFOR-Hauptquartier in Pristina. Der deutsche Einsatz wurde durch einen Bundestagsbeschluss vom 25. Februar 1999 möglich.

DPA