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Krieg in Nahost: Not im Gaza-Streifen macht UN große Sorge

Zehntausende sind obdachlos oder fliehen, Lebensmittel sind knapp, Gas und Strom fehlen - die Not der Bevölkerung im Gaza-Streifen bereitet den Vereinten Nationen immer größere Sorge. Die Kämpfe zwischen Israel und der Hamas gehen dennoch mit voller Härte weiter.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat angesichts der fortgesetzten Kämpfe sowie der schlechten Hygienebedingungen im Gaza-Streifen vor einem Ausbruch von Krankheiten gewarnt. Müll werde nicht mehr eingesammelt und die Abwasserbehandlung sei nicht mehr gesichert, teilte die UN-Organisation am Dienstag in Jerusalem mit. Von 58 Gesundheitszentren der palästinensischen Gesundheitsbehörde in Gaza arbeiten den Angaben zufolge nur noch 30. Sieben von zehn chronisch Kranken hätten ihre Behandlung abbrechen müssen. Die meisten Impfprogramme hätten unter anderem wegen der Schließung von Kliniken sowie der eingeschränkten Bewegungsfreiheit des medizinischen Personals unterbrochen werden müssen.

Die Zahl jener Menschen, die vor den Kämpfen fliehen oder keine Unterkunft mehr haben, steigt weiter an und geht den Vereinten Nationen zufolge in die Zehntausende. Nach Angaben des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) sind bislang mehr als 28.100 obdachlos gewordene Menschen in 36 Nothilfequartieren wie beispielsweise Schulen untergebracht worden. Es handele sich um den größten Flüchtlingsstrom im Gaza-Streifen seit dem Sechstagekrieg von 1967.

Auch die Lebensmittelsituation bleibt laut UN trotz der von Israel genehmigten Hilfslieferungen angespannt. Viele Grundnahrungsmittel gebe es nicht mehr, heißt es in dem OCHA-Bericht. Es fehle vor allem an Milch, Gefrierfleisch, Geflügel und Fisch. Mangel gebe es auch beim Brot, weil nur noch 12 von 27 Bäckereien im Gaza-Streifen arbeiten könnten. Durch die Kämpfe werde auch die lokale Versorgung mit Obst und Gemüse immer schlechter, heißt es weiter. Bauern könnten ihre Felder nicht mehr erreichen oder hätten Angst zu ernten. Der Mangel an Bargeld und Kochgas sowie die häufigen Stromausfälle machten es schwierig, Lebensmittel einzukaufen und Essen zu kochen. Auch eine tägliche Feuerpause von drei Stunden reicht den Angaben zufolge nicht aus, um Hilfsgüter an alle Bedürftigen zu verteilen.

Im Gaza-Streifen hängen nach UN-Angaben 80 Prozent der 1,5 Millionen Palästinenser von internationaler Hilfe ab. Die Vereinten Nationen riefen deshalb die ölreichen Golfstaaten zu Spenden für die notleidende Zivilbevölkerung auf. Für Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente würden schätzungsweise 100 Millionen Dollar benötigt, erklärte das OCHA. Seit Beginn der israelischen Offensive hätten von den Golfstaaten lediglich Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Geld für die Palästinenser an Organisationen der Vereinten Nationen gespendet.

Die israelische Armee setzt ihre Angriffe im Gaza-Streifen auch am 18. Tag der Militäroffensive fort. Generalstabschef Gabi Aschkenasi erklärte am Dienstag, seine Soldaten hätten der Hamas und ihrer Infrastruktur schon schwere Schäden zugefügt, die Ziele seien aber noch nicht erreicht.

Die israelische Armee rückte am 18. Tag ihrer Militäroffensive im Gaza-Streifen so weit wie noch nie in die Vororte von Gaza-Stadt vor. Soldaten lieferten sich dort Augenzeugenberichten zufolge schwere Gefechte mit militanten Palästinensern. Nach Angaben eines israelischen Militärsprechers wurden ein Offizier schwer und zwei weitere Soldaten leicht verletzt, als während einer Hausdurchsuchung eine Sprengstofffalle explodierte. Trotz der heftigen Angriffe beschossen Hamas-Kämpfer auch am Dienstag wieder israelisches Gebiet mit Raketen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza wurden seit Beginn der israelischen Militäroffensive mindestens 930 Palästinenser getötet und weitere rund 4300 verletzt. Ungeachtet der anhaltenden Gewalt ließ die Armee am Dienstag mehr als 100 Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern in den Gaza-Streifen fahren.

Die Bemühungen um eine Waffenruhe in Nahost gehen unterdessen weiter. Der Weltsicherheitsrat will am Dienstag erneut in New York zusammentreten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will darüber hinaus zu Gesprächen in die Region reisen. Auch die ägyptische Regierung setzte ihre Verhandlungen mit der Hamas über eine Feuerpause fort. Eine dreiköpfige Delegation der radikal-islamischen Organisation traf am Montagabend aus Damaskus ein. Die Hamas erklärte, sie bestehe weiterhin auf einen Abzug der israelischen Truppen vor Beginn einer Waffenruhe.

DPA/AP / AP / DPA