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KRIMINALITÄT: Wolfs Todesliste

Brandenburgs Ex-Bauminister Jochen Wolf soll nicht nur die Tötung seiner Frau, sondern noch vier weitere Morde in Auftrag gegeben haben. Auch auf der »Todesliste«: Ministerpräsident Manfred Stolpe.

Der wegen eines Mordauftrages gegen seine Ehefrau inhaftierte brandenburgische Ex-Bauminister Jochen Wolf soll nach Informationen der »Bild«-Zeitung auch die Ermordung des brandenburgischen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe erwogen haben. Angeblich habe er insgesamt fünf Tötungsverbrechen geplant, berichtete die Zeitung am Freitag unter Berufung auf einen Freund Wolfs. Auf seiner Todesliste hätten außerdem ein Amtsrichter, ein früherer SPD-Parteifreund und ein Journalist gestanden, hieß es.

Der Potsdamer Staatsanwaltschaft ist eine solche Liste nach Angaben ihrer Sprecherin Sigrid Komor bisher nicht bekannt. Dem Hinweis werde jedoch nachgegangen, erklärte Komor am Freitag. Laut »Bild«-Zeitung sollte Stolpe ermordet werden, weil der frühere Minister 1993 nach einer Korruptionsaffäre aus dessen Kabinett ausscheiden musste. Ein Amtsrichter sei in Wolfs Visier geraten, weil er dessen Ehefrau Unterhalt zugebilligt hatte. Ein Journalist habe sich mit einem unvorteilhaften Bericht Wolfs Zorn zugezogen, hieß es weiter.

Selbstmordversuch in der U-Haft

Über den von der Zeitung als Zeugen angeführten Freund soll Wolf den Mann kennen gelernt haben, den er später mit der Tötung seiner Frau beauftragte. Der Gedungene hatte sich jedoch an die Polizei gewandt. Daraufhin war der frühere Minister vor einer Woche festgenommen worden. Vor dem Haftrichter gestand er bereits, die Ermordung seiner Frau in Auftrag gegeben zu haben. Seitdem sitzt der 59-Jährige in Brandenburg an der Havel in Untersuchungshaft und unternahm dort bereits einen Selbstmordversuch.

Nach der Wende in der DDR war Wolf einer der Mitbegründer der SPD in Brandenburg. Dem ersten Landeskabinett gehörte er bis zu einer Korruptionsaffäre 1993 als Bauminister an. Nachdem er sich gerichtlich wieder in den Landesdienst eingeklagte hatte, war Wolf bis zuletzt Referatsleiter für GUS-Projekte im brandenburgischen Wirtschaftsministerium. Dort wird nach Angaben eines Sprechers mittlerweile seine Kündigung vorbereitet.