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Madrid-Anschläge: Weitere Festnahmen in Marokko und Spanien

Zwei Wochen nach den Terroranschlägen in Madrid sind erstmals auch in Marokko mehrere Verdächtige festgenommen worden. In Spanien gab es ebenfalls weitere Verhaftungen.

Zwei Wochen nach den Terroranschlägen in Madrid sind erstmals auch in Marokko mehrere Verdächtige festgenommen worden. Die Festnahmen erfolgten nach Angaben eines Regierungssprechers im Norden des Landes. In Spanien sind bislang 18 Verdächtige in Haft, bei den meisten handelt es sich um Marokkaner.

Ein spanischer Richter erließ am Freitag Haftbefehl gegen einen weiteren Marokkaner. Faisal Alluc wird der Zusammenarbeit mit einer terroristischen Gruppe verdächtigt und bleibt damit vorläufig in Haft. Richter Juan del Olmo erklärte, die Beweise gegen einen weiteren Marokkaner reichten für einen Haftbefehl nicht aus. Khalid Oulad Akcha bleibt trotzdem wegen einer anderen Haftstrafe im Gefängnis.

Ermittlungen auch in Deutschland

Auch in Deutschland wurde ein Ermittlungsverfahren gegen einen 28-jährigen Marokkaner eingeleitet. Im Zusammenhang mit dem Fall wurde am Donnerstagabend eine Wohnung in Darmstadt durchsucht, wie Generalbundesanwalt Kay Nehm am Freitag in Karlsruhe mitteilte. Gegen den Mann, der sich in Spanien in Haft befindet, wird wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung ermittelt.

Ein Mann unter Drahtzieher-Verdacht

Die spanische Polizei hält einen der kürzlich festgenommenen Männer für den Drahtzieher der Anschläge vom 11. März. Einige der Verdächtigen hätten Verbindung zu Hicham Temsemani, einem Imam, der im Juni nach Marokko ausgewiesen worden sei, berichtete die spanische Zeitung "El Mundo". Temsemani wird vorgeworfen, bei der Finanzierung der Terroranschläge von Casablanca im Mai geholfen zu haben.

Gegen sechs der 18 Verdächtigen wurde Haftbefehl wegen Massenmordes und der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Gruppe erlassen, gegen weitere sechs wegen Beihilfe. Als Hauptverdächtiger gilt der Marokkaner Jamal Zougam, der nach spanischen Gerichtsunterlagen Verbindungen zu Mitgliedern einer spanischen El-Kaida-Zelle unterhielt.

Zapatero bekräftigt Unterstützung für Anti-Terror-Kampf

Der designierte spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero bekräftigte unterdessen, er wolle der Terrorbekämpfung oberste Priorität einräumen. Terroristen müssten erkennen, dass sie auf entschlossenen Widerstand stießen, erklärte Zapatero am Freitag bei einem Treffen der Parteispitze seiner Sozialistischen Partei (PSOE). "Gemeinsam werden wir (den Terror) besiegen." Er dankte dem spanischen Volk für seine Tapferkeit nach den Bombenanschlägen von Madrid und lobte den Einsatz von Freiwilligen und Rettungskräften. Die Bombenserie hatte 190 Menschen das Leben gekostet.

In der Außenpolitik verpflichte sich seine Regierung der europäischen Integration sowie einer Weltordnung des Multilateralismus, sagte Zapatero. Sie setze sich für die Autorität der Vereinten Nationen ein, betonte er. Den angekündigten Abzug der spanischen Truppen aus Irak erwähnte er nicht. Die bei der Parlamentswahl vom 14. März überraschend siegreichen Sozialisten übernehmen die Regierung in Madrid im kommenden Monat.

DPA / DPA