Massenentführung im Irak 40 Geiseln sind frei


Nach der spektakulären Massenentführung in Bagdad sind 40 der über 100 verschleppten Menschen in der Nacht zu Mittwoch freigekommen. Das Schicksal der anderen liegt noch im Dunkeln.

Einen Tag nach der spektakulären Massenentführung von mehr als 100 Beamten in Bagdad ist das Schicksal der meisten Geiseln noch unklar. Ein Sprecher des Hochschulministeriums sagte, bislang seien lediglich 40 Beamte freigekommen. Diese seien nicht von der Polizei befreit, sondern von den Geiselnehmern freigelassen worden. Das irakische Innenministerium hatte am Vorabend dagegen erklärt, die Mitarbeiter, die am Dienstag aus dem Institut für Kulturforschung verschleppt worden waren, seien alle freigelassen oder von der Polizei befreit worden.

Regierungschef Nuri al-Maliki sprach vor der Presse nicht von Terroristen, sondern nannte die Entführer "unwissende Menschen, die nicht wissen, was sie anrichten". Das irakische Bildungssystem müsse um jeden Preis gerettet werden. "Wer einen Professor tötet, der vernichtet das Leben", erklärte der Ministerpräsident.

Stärkere Bewachung für Universitäten

Bei den bisher Freigelassenen handelt es sich nach Angaben von Augenzeugen sowohl um Schiiten, als auch um Sunniten. Bei früheren Massenentführungen hatten Extremisten meist die Angehörigen ihrer eigenen Religionsgruppe freigelassen und die Anhänger der anderen Glaubensrichtung getötet. Nach der Geiselnahme hatte das Hochschulministerium die Universitäten von Bagdad vorübergehend geschlossen. Der Lehrbetrieb wurde am Mittwoch jedoch fortgesetzt. Die Sicherheitskräfte hatten eine stärkere Bewachung zugesagt.

Unterdessen kamen am Mittwochvormittag bei drei Sprengstoffanschlägen in Bagdad mindestens elf Menschen ums Leben.

Ein Sprecher des Hochschulministeriums erklärte, das Innen- und Verteidigungsministerium hätten zugesichert, alle Ausbildungsstätten besser zu schützen. Darum würden die Universitäten am Mittwoch ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen.

Der Minister selbst hatte die Entführung als "kriminellen Akt" verurteilt. Die Entführung sei Teil einer Kampagne gegen die geistige Elite des Landes, sagte der sunnitische Ressortchef. Zugleich hatte Al-Adschili angekündigt, die Hochschulen würden so lange geschlossen bleiben, bis sich die Sicherheitslage verbessert habe. Seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein sind im Irak Dutzende von Professoren ermordet worden.

DPA DPA

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