Mike Huckabee Zu früh an den sicheren Sieg geglaubt


Es ist eine Kunst, in der Niederlage Haltung zu bewahren. Mike Huckabee beherrscht sie, an diesem Abend in Columbia, einem Abend, an dem er sich die Tage zuvor schon als großen Sieger sah.
Von Giuseppe Di Grazia, Columbia

Als er im Ballroom des Convention Centers auf die Bühne steigt, sieht er so aus, als hätte er tatsächlich gewonnen. Er knipst sein Lächeln an und hält eine Rede, die später Pat Buchanan, mehrmaliger Präsidentschaftskandidat und heute politischer Kommentator beim Sender MSNBC, als die beste des Abends loben wird.

Huckabee erzählt, dass er gerade seinen Konkurrenten John McCain angerufen und ihm zum Sieg gratuliert hätte. Er erzählt, wie stolz er sei, dass McCain und er einen fairen Wahlkampf geführt hätten. Und dann erzählt Huckabee vom vergessenen Amerikaner. Vom Amerikaner, der im Taxi vorne sitzt und fährt und sich Sorgen um seinen Job macht. Vergessen von der Regierung in Washington und von den Lobbyisten dort. Er erzählt von diesem verlorenen Amerikaner so eindringlich, dass jeder Taxifahrer in den USA sich angesprochen fühlen muss. Und wie der Taxifahrer fühlen sich derzeit auch die Verkäufer, die Mechaniker, die Arbeiter, die Angestellten. Die Angst, den Job zu verlieren, die Angst, die Miete nicht mehr zahlen zu können, ist das Thema der Stunde in den USA. Huckabee kann das, souverän und populistisch zugleich sein. Aber in South Carolina hat das nicht gereicht. Und damit keiner auf den Gedanken kommt, dass Huckabee selbst bald ohne Job da steht, wird er am Ende seiner Rede noch sagen: "Ihr müsst immer daran denken, dass eine Wahl, gerade in diesem Jahr, vor allem in diesem Jahr, kein Event ist. Es ist ein Prozess - und dieser ist weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein. Der Weg zum Weißen Haus endet nicht hier und nicht heute Abend."

Während Huckabee zu seinen Anhängern spricht, stehen hinter ihm seine Frau Janet und seine Tochter Sarah und sein Sohn David. Wer in ihre Gesichter schaut, kann erahnen, wie sehr diese Niederlage Mike Huckabee und seine Mannschaft getroffen hat. Sarah Huckabee hat Tränen in den Augen.

Sicher geglaubter Sieg im "Bibelgürtel"

Huckabee brauchte den Sieg hier, in South Carolina, dem ersten Staat im Süden. Nach dem Überraschungserfolg in Iowa und den zu erwartenden Niederlagen in New Hampshire und Michigan. Er war sich sicher, hier zu gewinnen. Er hatte das in den letzten Tagen immer wieder gesagt, und er hatte das nicht gesagt, weil man das so sagt. Er sagte es, weil er wirklich daran glaubte. Irgendetwas muss ziemlich schief gelaufen sein, in South Carolina für Mike Huckabee. Aber was?

Huckabee hatte mit der Wirtschaft das richtige Thema besetzt. Und er hatte auf die religiösen Rechten gesetzt, sie machen in South Carolina etwa 60 Prozent der republikanischen Wähler aus. Sie sollten Huckabee wie in Iowa zum Sieg verhelfen. In seinem einzigen Wahlspot, den er hier schaltete, ließ er sich als "Christian Leader" anpreisen. Die Strategie ging aber nicht auf. McCain gelang es, auch im Lager der Evangelikalen Stimmen zu sammeln, weil er auch ihnen am Ende als der geeignetere Spitzenkandidat der Republikaner erscheint.

Die Frage, die sich jetzt stellt, ist: Wenn Mike Huckabee, der früher Governeur im Südstaat Arkansas war und der früher als Baptisten-Prediger arbeitete, in South Carolina nicht gewinnt, einem Staat im Süden und der stark religiös geprägt ist - wo dann?

Nicht-Christen als Wählerschicht vernachlässigt

Huckabee muss feststellen, dass er allein als selbsternannter Führer der Christen kaum eine Chance hat, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden. Er muss endlich beweisen, dass er auch andere Wählerschichten für sich begeistern kann.

Die nächste Wahl der Republikaner am 29. Januar in Florida wird ein verdammt harter Wettbewerb für Mike Huckabee. John McCain ist nun der Favorit, Rudy Giuliani muss diesen Staat unbedingt gewinnen, weil er alles auf Florida gesetzt hat und die anderen Staaten vernachlässigt hat. Und Mitt Romney ist in der gleichen Situation wie Huckabee - nur hat er mehr Geld zur Verfügung.

Am Sonntag flog Huckabee nach Texas, zur Ranch von Chuck Norris. Der Schauspieler hat Huckabee in Iowa, New Hamsphire und auch hier in South Carolina unterstützt. Norris hat in seinen Filmen oft den schweigsamen Patrioten gespielt, er gehört den christlichen Rechten an und hat mit Huckabee mehrere Wahlspots aufgenommen. Der Kämpfer aus der "Missing-in-Action"-Trilogie und Star der erfolgreichen Fernsehserie "Walker, Texas Ranger" macht mit Huckabee auf seiner Ranch "Lone Wolf" einen Rundgang. Im Internet können die Fans das alles verfolgen und für Huckabees Kampagne Geld spenden. Zehn Millionen Dollar sollen so gesammelt werden. Geld, das Huckabee ganz dringend braucht, um wieder im Rennen zu sein.


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