HOME

Militärtribunal: US-Soldat spricht, aber sagt nichts

Im US-Folterskandal von Abu Ghoreib hat sich einer der wichtigsten Angeklagten zum ersten Mal zu seiner Festnahme geäußert.

Auf Einzelheiten zu den Fotos, die ihn neben nackten und gepeinigten irakischen Häftlingen in dem Gefängnis zeigen, ging Korporal Charles Graner zum Auftakt der Beweisaufnahme des US-Verfahrens nicht ein. Den Beschuldigten drohen mehrjährige Haftstrafen. Gemeinsam mit insgesamt sechs weiteren Militärpolizisten soll Graner zahlreiche Häftlinge des berüchtigten Gefängnisses Abu Ghoreib missbraucht haben. Neben dem 35-jährigen müssen sich in Mannheim zwei weitere Soldaten und eine Frau verantworten.

Der Folterskandal von Abu Ghoreib hatte im April weltweit für Aufsehen und Empörung gesorgt. Damals waren Fotos an die Öffentlichkeit gelangt, auf denen Graner unter anderem in triumphierender Pose hinter einer Pyramide von aufgestapelten nackten Gefangenen zu sehen. Seine Freundin, die Hauptgefreite Lynndie England, präsentierte sich auf den Fotos mit einem nackten Gefangenen an einer Hundeleine. Englands Vorverfahren war wegen ihrer Schwangerschaft in die USA verlegt worden und ist zurzeit ausgesetzt.

Das weitere Verfahren soll in Bagdad stattfinden

Die Anhörung war für zwei Tage aus Bagdad nach Deutschland verlegt worden. Die Mannheimer Gerichtstage sind nach US-Angaben allerdings eine einmalige juristische Begebenheit, wie Richter Oberst James Pohl betonte. Das weitere Verfahren soll wieder in der irakischen Hauptstadt verhandelt werden. Die Anwälte der Beschuldigten hatten aus Sicherheits- und Kostengründen eine Verlegung der Beweisaufnahme gefordert.

Die Verteidigung versuchte zum Auftakt der Anhörung, Fehler der Geheimpolizei aufzudecken und die Anklage zu Fall zu bringen. Beamte und Graner äußerten sich zu ersten Aussagen und den Umständen der ersten Zimmerdurchsuchung durch die Geheimpolizei. Ziel der Verteidigung ist es, die Beschlagnahme des Computers und der Disketten mit den Bildern für illegal erklären zu lassen. Dadurch könnten die Fotos nicht mehr als Beweismittel genutzt werden.

Die Anhörungen sind nach US-Strafprozessrecht Teil des Vorverfahrens. Das Gericht will klären, ob die Beweise für die Eröffnung eines Prozesses ausreichen.

Die meisten Militärpolizisten behaupten, vom Geheimdienst zu den Taten ermutigt worden zu sein. Der Stabsgefreite Jeremy Sivits hatte sich dagegen bereits im Vorverfahren schuldig bekannt. Er war im Mai von einem Militärgericht in Bagdad zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zur Entlassung aus der Armee verurteilt worden.

Afghanistan: Urteil gegen Kopfgeldjäger erwartet

Vor einem Gericht in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am Montag der Prozess gegen mutmaßliche US-Kopfgeldjäger fortgesetzt worden. Den drei Amerikanern und vier Afghanen wird vorgeworfen, in Kabul auf eigene Faust Zivilisten verschleppt und gefoltert zu haben. Die Männer um den Ex-Soldaten Jonathan K. Idema sagen dagegen, sie hätten mit Wissen der US-Streitkräfte nach Terroristen gesucht. Ihnen drohen bis zu 20 Jahre Haft. Das Urteil wird noch am Montag erwartet.

DPA