Mit europäischer Hilfe Schweizer Außenministerin holt Göldi heim


Bei ihrer Hängepartie in Libyen haben die Schweizer festgestellt, wie nützlich europäische Solidarität sein kann. Denn ohne die Vermittlung Deutschlands und Spaniens, säße der Geschäftsmann Max Göldi vielleicht immer noch im Reich von Oberst Gaddafi fest.

Die abgedroschene Metapher von den Politikern, die einander die Klinke in die Hand geben, lässt sich in Libyen nicht anwenden. Denn Oberst Muammar al-Gaddafi empfängt wichtige Besucher lieber in seinem Zelt. Dort nahmen an diesem Sonntag auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, die schweizerische Außenministerin Micheline Calmy-Rey und ihr spanischer Kollege Miguel Angel Moratinos Platz. Sie lächelten und ertrugen mit Langmut, wie ihre Pläne von den Libyern immer wieder über den Haufen geworfen wurden. Was als kurzer Besuch geplant war, wurde schließlich zu einer langwierigen Hängepartie, die erst mitten in der Nacht zu Ende ging.

Am Ende des Tages bekamen aber doch noch alle mehr oder weniger das, was sie wollten: Calmy-Rey konnte mit dem kurz zuvor aus libyscher Haft entlassenen Schweizer Geschäftsmann Max Göldi in die Schweiz fliegen. Berlusconi wurde von seinem neuen "Freund" Gaddafi zum gemeinsamen Fototermin gebeten. Moratinos und Matthias Meyer, der deutsche Botschafter in Tripolis, konnten sich über einen diplomatischen Erfolg freuen. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Als Calmy-Rey und Moratinos in der Nacht zum Samstag nach Tripolis fliegen, gehen die beiden Außenpolitiker noch davon aus, dass sie in wenigen Stunden gemeinsam mit Göldi ein Flugzeug in Richtung Schweiz besteigen werden. Alles ist minutiös vorbereitet worden. Die Schweiz und Libyen haben am 14. Mai in Berlin heimlich still und leise eine Verständigungsnote unterzeichnet, um ihre durch den Fall Hannibal zerrüttete Beziehung zu kitten. Göldi, der im Sommer 2008 zum Opfer des Streits zwischen der Familie Gaddafi und den Schweizer Behörden geworden war, hat seine viermonatige Haftstrafe abgesessen. Er wartet nur noch auf ein "Ausreisevisum".

Doch dann wird plötzlich eine Pressekonferenz anberaumt. Die Libyer sprechen von einer "zweiten offiziellen Entschuldigung" der Schweiz für den Fall Hannibal. Überraschend kommt schließlich auch noch Silvio Berlusconi angeflogen. Das hebt die Laune von Gaddafi, der in den vergangenen Monaten eine Schwäche für den italienischen Regierungschef entwickelt hat, ungemein. Er bittet seine europäischen Gäste alle zusammen zu einem Gespräch über politische Kooperation im Mittelmeerraum in sein Zelt. Der Name "Göldi" fällt dabei nicht.

Dann stellt sich heraus, dass die Libyer verhindern wollen, dass die Außenminister zusammen mit Göldi das Land verlassen. Für einen Moment sieht es so aus, als wollten sie den Geschäftsmann zusammen mit Berlusconi ins Flugzeug setzen. Doch dann heißt es plötzlich, jeder habe bitte alleine abzureisen. Calmy-Rey fliegt daraufhin nach Tunis, wo sie Göldi trifft, der von den Libyern in eine Linienmaschine nach Tunesien gesetzt worden war. Von Tunis aus setzen die beiden Schweizer dann gemeinsam die Reise in die Heimat fort.

Botschafter Meyer, der von den Libyern mehrfach dazugebeten worden war, ist trotz der Hängepartie der letzten Stunden zufrieden, dass die Verhandlungen letztlich erfolgreich waren. "Wir freuen uns vor allem für Max Göldi", sagt der Diplomat.

Für den 18. Juni ist ein weiteres Versöhnungstreffen mit Vertretern der Schweiz und Libyens in Madrid geplant. Die beiden Staaten wollen dann versuchen, ein neues Kapitel in den bilateralen Beziehungen aufzuschlagen. Doch, ob Gaddafi den Eidgenossen jemals wirklich verzeihen kann, dass eine Schweizer Zeitung Fotos seines Filius im Polizeigewahrsam veröffentlicht hat, muss sich erst noch zeigen.

Anne-Beatrice Clasmann, DPA/APN DPA

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