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Myanmar: Soldaten suchen nach Versteckten

Nach der Abreise des UN-Gesandten Ibrahim Gambari hat sich die Lage in Myanmar verschärft. Die Militärjunta geht mit Massenverhaftungen gegen Mönche vor. Unterdessen berichteten einige Freigelassene von der Zeit in Militärgewahrsam.

Das Militärregime in Myanmar hat sein hartes Vorgehen gegen die Bevölkerung nach der Abreise des UN-Gesandten Ibrahim Gambari unvermindert fortgesetzt. In der vergangenen Nacht seien zahlreiche Menschen in Rangun festgenommen und auf mindestens acht Lastwagen aus der Millionenstadt transportiert worden, berichteten Augenzeugen. Soldaten durchsuchten weiter Häuser nach Mönchen, die sich versteckt halten könnten. Unterdessen berichteten einige freigelassenen Geistlichen von der Zeit in Militärgewahrsam.

Besonders rigide gingen die Soldaten nahe der Shwedagon-Pagode vor, dem Ausgangspunkt der Massenproteste. Nach einer Razzia blieb von einer Familie einzig ein 13 Jahre altes Mädchen zurück. Ihre Eltern seien mitgenommen worden, erzählte sie. "Sie haben uns gewarnt, nicht wegzulaufen, denn sie könnten zurückkommen." Die Soldaten hatten die Menschen in der Nacht aus ganzen Häuserzeilen auf die Straße getrieben. Westliche Diplomaten sprachen von einem "Klima des Terrors".

Die Ausgangssperre wurde verkürzt

Auch am Tag patrouillierten weiter schwer bewaffnete Soldaten durch die Straßen von Rangun, wo die Proteste ihren Anfang genommen hatten. Zugleich schienen sich die Machthaber aber offenbar sicher, die Rebellion eingedämmt zu haben: Barrikaden wurden abgebaut, eine nächtliche Ausgangssperre verkürzt und einige Festgenommene freigelassen.

Einer von 80 freigekommenen Mönchen erzählte, seine Brüder und er seien gezwungen worden, ihre Gewänder gegen zivile Kleidung zu tauschen. "Wir wurden Tag und Nacht befragt, zwei Mal täglich bekamen wir zu essen." Köprerlich gefoltert seien sie nicht worden. Die Mönche wurden kurz nach Mitternacht zurück in ihr Kloster gebracht. Auch knapp 150 Nonnen sollen freigelassen worden sein.

Tausende verhaftet

Den Vereinten Nationen (UN) zufolge sind wahrscheinlich tausende Myanmare nach den friedlichen Protesten abgeführt worden. Die Regierung machte bislang keine Angaben darüber, wie viele Demonstranten mittlerweile in Haft sitzen. Offiziellen Angaben zufolge kamen zehn Menschen ums Leben, westliche Regierungen vermuten eine weit höhere Opferzahl.

Die Demonstrationen hatten sich an gestiegenen Benzinpreisen entzündet und hatten sich zu einer Rebellion gegen das gesamte Regime gesteigert. Angeführt wurden sie von Mönchen, die in dem buddhistischen Land enormes Ansehen genießen. Das Vorgehen der Junta hatte international Entsetzen hervorgerufen. Der UN-Menschenrechtsrat verurteilte die gewaltsame Unterdrückung, im Sicherheitsrat verhinderte China eine Verurteilung der birmanischen Führung.

UN-Gesandter Gambari sollte im Auftrag des UN-Sicherheitsrats die Führung in Myanmar zu einem Dialog mit der Demokratiebewegung auffordern. Er war am Dienstag nach einem viertägigen Besuch aus Myanmar abgereist, nachdem er Gespräche mit der Militärjunta und der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi geführt hatte. Es galt als unwahrscheinlich, dass er sich vor einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon öffentlich äußert. Gambari wurde am Freitag zurück in New York erwartet.

Aung Hla Tun/Reuters / Reuters