HOME

Nach "Homestory": Ex-Präsident Sarkozy heizt Comeback-Gerüchte an

Die Franzosen spekulieren über die Zukunftspläne ihres Ex-Präsidenten. Jetzt sorgt Sarkozy für eine Diskussion über seine Rückkehr. Doch darauf soll der 58-Jährige angeblich gar keine Lust haben.

Er kann Fußball-Superstar David Beckham und dessen Frau Victoria zum Abendessen einladen, sechsstellige Honorare für Reden verlangen und sich mehr um seine Frau Carla und seine Tochter Giulia kümmern: Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy hat nach eigenen Worten überhaupt gar keine Lust auf eine Rückkehr in die "todlangweilige" Welt der Politik. Glauben will ihm dies aber kaum jemand.

Schon gar nicht, weil er gleichzeitig von einem möglichen Comeback redet. "Sarkozy macht es à la Silvio Berlusconi", spotten Gegner des 58-Jährigen unter Anspielung auf den erst abgetretenen und jetzt wieder aktiven früheren italienischen Ministerpräsidenten.

Solche Vergleich dürften Sarkozy kaum gefallen - nicht nur, weil Berlusconi am Donnerstag wegen Beihilfe zur Veröffentlichung vertraulicher Telefongespräche zu einem Jahr Haft verurteilt wurde. Nach einer aufsehenerregenden "Homestory" des rechtskonservativen Wochenmagazins "Valeurs Actuelles" hält es der Franzose trotz seiner Wahlniederlage vor zehn Monaten für möglich, dass er noch einmal zum großen Retter der "Grande Nation" wird.

Retter der "Grande Nation"

Es könne sich eine Situation ergeben, in der er zurückkehren müsse, "nicht aus Lust. Aus Pflicht", wird Sarkozy dort zitiert. Als möglichen Grund nennt er ein noch tieferes Abrutschen Frankreichs in die Krise und ein mögliches Erstarken der Links- und Rechtsextremisten im Land, an dem sein sozialistischer Nachfolger François Hollande schuld sei.

Hollande habe auch "alles zerstört", was er gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgebaut habe. "Nichts ist mehr möglich zwischen Frankreich und Deutschland", wird Sarkozy zitiert.

Dass es auch in seiner Partei fähige Kandidaten für die nächste Präsidentschaftskandidatur geben könnte, zieht Sarkozy dabei offensichtlich nicht in Erwägung.

Was Sarkozy dazu veranlasst hat, nach Monaten des öffentlichen Schweigens eine solche Bombe platzen zu lassen, ist unbekannt. Als möglicher Hintergrund gelten der Führungsstreit in seiner Partei und - vor allem - die jüngsten Umfrageergebnisse. Demnach sind mittlerweile mehr als die Hälfte der Franzosen der Meinung, eine Wiederwahl Sarkozys bei der Wahl im Mai 2012 wäre besser für Frankreich gewesen.

Monate des öffentlichen Schweigens

In der jüngsten Umfrage unter Parteianhängern gaben 54 Prozent an, dass Sarkozy bei der Präsidentenwahl 2017 erneut gegen den Sozialisten Hollande antreten solle. Er liegt damit weit vor dem zweitbeliebtesten UMP-Politiker François Fillon. Den früheren Premierminister wünschen sich lediglich 16 Prozent der Parteimitglieder als Kandidaten.

Eine andere mögliche Erklärung sind die ständigen Provokationen der Sozialisten. Als Präsident Hollande jüngst von einem kleinen Mädchen auf Sarkozy angesprochen wurde, antwortete er: "Den wirst Du nicht mehr wiedersehen." Kurz darauf äußerte sich auch Ségolène Royal, Sarkozys Gegnerin bei der Präsidentenwahl 2007, wenig freundlich. Sarkozy habe nichts mehr zu tun - außer ein bisschen Sport zu treiben, sich mit der Frau seines Vorgängers Jacques Chirac zu treffen und seiner eineinhalb Jahre alten Tochter Giulia die Windeln zu wechseln, spottete sie nach einem Bericht der Wochenzeitung "Le Canard enchaîné".

Ansgar Haase, DPA / DPA