HOME

USA: Trump telefoniert mit Cheflobbyisten – und plötzlich sind strengere Waffengesetze wieder vom Tisch

Für eine kurze Zeit sah es so aus, als würden die Waffengesetze in den USA zumindest ein wenig verschärft werden. Doch nun hat Donald Trump dem obersten Waffenlobbyisten angeblich versprochen, dass es keine strengeren Hintergrundchecks geben wird.

Donald Trump am Telefon

Hat ein offenes Ohr für die Waffenlobby: Donald Trump

AFP

Noch immer sind die USA weit davon entfernt, den Kauf von Waffen stark zu reglementieren. Doch nach den jüngsten Massenschießereien in Texas und Ohio mit 31 Toten schien sich auch bei Waffenbefürwortern die Erkenntnis durchzusetzen, dass man zumindest strenger prüfen müsse, an wen da eigentlich die ganzen Pistolen und Gewehre verkauft werden.

Auch Donald Trump teilte diese Ansicht, wie er mehrfach auf Twitter schrieb – und schien bereit zu sein, strengere Hintergrundprüfungen einzuführen. Doch eine Verschärfung ist wohl wieder vom Tisch. Das habe der US-Präsident dem Chef des größten US-Waffenverbands NRA am Telefon mitgeteilt, berichten US-Medien.

Trump: "Waffenverbrechen" stärker bestrafen

Laut des US-Magazins "The Atlantic" habe Trump dem NRA-Geschäftsführer Wayne LaPierre bekräftigt, dass es bereits Hintergrundüberprüfungen gebe und dass er über eine weitere Verschärfung nicht mehr nachdenke, wie eine anonyme Quelle dem "Atlantic" sagte. Um das Problem der Massenschießereien einzudämmen, habe er die "Erhöhung der Mittel" für die psychosoziale Versorgung angekündigt, zudem sollen "Waffenverbrechen" stärker bestraft werden.

"Geistesgestörte von der Straße holen": Trump: Psychisch Kranke sollten keine Waffen haben

Erst vor einigen Tagen hatte Trump mehr Anstalten für "Geistesgestörte" gefordert. Er ziehe "ernsthaft" die Errichtung neuer Kliniken in Erwägung, um "geistesgestörte und gefährliche Menschen aus dem Verkehr zu ziehen", sagte er bei einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat New Hampshire. Schon bei dieser Rede hatte er darauf verzichtet, strengere Hintergrunduntersuchungen von Waffenkäufern zu fordern. Stattdessen rief er seinen jubelnden Anhängern zu: "Wir dürfen es gesetzestreuen Bürgern nicht erschweren, sich selbst zu beschützen."

Skandalumwehter NRA-Chef in der Kritik

Sollte Trump tatsächlich seine Ankündigung zurückziehen, die Waffengesetze zumindest ein wenig zu verschärfen, hätten sich einmal mehr die einflussreichen Waffenlobbyisten der NRA durchgesetzt – und das zu einem Zeitpunkt, an dem sich die National Rifle Organisation in einer tiefen Sinn- und Machtkrise befindet. Seit Wochen schon verlässt ein Vorstandsmitglied nach dem anderen die NRA. Nun haben gleich drei prominente Köpfe das Handtuch geschmissen: Der Country-Sänger Craig Morgan, der NASCAR-Rennstallbesitzer Richard Childress sowie der oberste Rechtsvertreter der NRA, David Lehman. Damit erhöht sich die Zahl der namhaften Austritte auf sieben innerhalb von drei Wochen.

Im Fokus der Rücktrittswelle steht de-facto-Chef Wayne LaPierre, dem undurchsichtiges Finanzgebaren und Mobbing vorgeworfen wird. Zudem soll er mit seinem Funktionärsgehalt in siebenstelliger Höhe unzufrieden sein und den Waffenverband aufgefordert haben, ihm ein millionenteures Anwesen zu kaufen. Rob Pincus, interner Kritiker LaPierres, warf dem Geschäftsführer vor, die Glaubwürdigkeit und den Einfluss der NRA zu beschädigen. Zumindest aber der US-Präsident scheint noch auf den obersten Waffenlobbyisten der USA zu hören.

Quellen: "The Hill", "Rolling Stone", "ABC", "The Atlantic", "National Review"

nik