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Nach Rugovas Tod: Sorge um die Kosovo-Verhandlungen

Im Kosovo wächst nach dem plötzlichen Tod von Präsident Ibrahim Rugova die Angst um die politische Zukunft: So wurde der Beginn der Unabhängigkeits-Verhandlungen erst einmal auf Anfang Februar verschoben.

Nach dem Tod Ibrahim Rugovas, des bedeutendsten Vorkämpfers für die Unabhängigkeit des Kosovo, wächst die Sorge über die politische Zukunft der südserbischen Unruheregion. Der Beginn der eigentlich für die kommenden Tage geplanten Verhandlungen darüber wurde vorerst auf Anfang Februar vertagt. Der langjährige Führer der Kosovo-Albaner, der die albanische Delegation bei den Gesprächen in Wien leiten sollte, genoss sowohl unter seinen Landsleuten als auch international großes Ansehen. Andere Politiker werden nur schwer diese Lücke füllen können.  

Rugova auch von Gegnern geachtet

Denn der 61-jährige wurde auch von führenden Politikern Serbiens, trotz ihrer vollkommen gegensätzlicher Positionen, geschätzt. Seine Idee, Kosovo ohne Gewalt von Serbien zu trennen und unabhängig zu machen, blieb jedoch ohne Erfolg. Erst der bewaffnete Kampf albanischer Extremisten und die serbische Repression öffneten die Türe zur Unabhängigkeit. 1999 vertrieb die NATO mit anhaltenden Luftangriffen serbische Truppen aus dem Kosovo, stellte die Provinz unter eine UN-Administration und kündigte eine Lösung für den Status der Provinz an, was für die Albaner nur Unabhängigkeit bedeuten kann.

Die Führer der Kosovo-Albaner seien untereinander zerstritten und hätten nicht die übegreifende Autorität Rugovas, warnten Beobachter am Wochenende in Pristina. Das bewog auch den Chef der UN-Verwaltung, Soeren Jessen-Petersen, die Albanerführer umgehend zur Einigkeit in diesem für die Provinz "entscheidenden" Augenblick aufzurufen. Die Politiker und das Volk müssten zusammenhalten und "Reife und Weisheit" zeigen, mahnte Jessen-Petersen.  

Es fehlt die einigende Figur

Die unter internationaler Vermittlung geplanten Gespräche der Kosovo-Albaner und der serbischen Regierung sollten eigentlich bereits am kommenden Mittwoch in Wien beginnen. Nun hat der UN-Chefunterhändler für das Kosovo, Martti Ahtisaari, den albanischen Politikern eine kurze Frist für die Ernennung eines neuen Delegationsleiters gegeben. Die Verhandlungen sollen Anfang Februar beginnen.

Mindestens drei Politiker haben die Absicht erkennen lassen, Rugova an der Spitze der Delegation zu ersetzen. Der Machtkampf wird aber auch um den Posten des Kosovo-Präsidenten, wo es noch mehr Kandidaten gibt und der vom Parlament gewählt wird, geführt werden.  

"Gerechte" Lösung gefordert

Rugovas Tod könnte die ohnehin instabile Lage im Kosovo weiter verschlechtern, warnten Vertreter der Kosovo-Serben, die den Präsidenten und seine gewaltfreie Politik geschätzt hatten. Rugova sei ein "kluger" Anführer der "Separatisten" gewesen, sagte Momcilo Trajkovic, einer der Serbenführer. Er habe die Serben "überlistet" und die Lösung des Kosovo-Konflikts internationalisiert.   Gerade deswegen müsse sich die internationale Gemeinschaft aktiv um eine "gerechte" Lösung des jahrzehntelangen Streits bemühen, fordern die Serben. Gerecht bedeutet nach serbischer Lesart, dass die zu 95 Prozent von Albanern bewohnte Provinz keine staatliche Unabhängigkeit erhalten soll. Das ist aber für alle Kosovo-Albaner - ungeachtet aller politischen Unterschiede - unannehmbar.

mit Reuters