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Nachfolger von Mahmud Ahmadinedschad Iran steht ein turbulenter Präsidentschaftswahlkampf bevor


Drei Männer kommen in die engere Wahl für das höchste Amt des Landes - darunter auch ein Vertrauter des Präsidenten Mahmud Ahmedinedschad. Es könnte ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden.

Die Hoffnungen des geistlichen Oberhaupts im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, auf einen ruhigen Präsidentenwahlkampf und den glatten Sieg eines ihm ergebenen Politikers haben sich spätestens am Wochenende zerschlagen. Da meldeten mit dem eher pragmatisch orientierten Ex-Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani und dem Nationalisten Esfandiar Rahim Maschaie zwei Männer ihre Bewerbung für das höchste Staatsamt an, welche die Autorität des Spitzengeistlichen bedrohen könnten. 2009 hatte Chamenei höchst persönlich verhindert, dass der wiedergewählte Präsident Mahmud Ahmadinedschad Maschaie zu seinem Stellvertreter ernennt. Und die Rivalität des obersten Führers mit dem politischen Urgestein Rafsandschani reicht Jahrzehnte zurück.

Sollten Maschaie und Rafsandschani den Auswahlprozess durch den allmächtigen Wächterrat überstehen, läuft es am 14. Juni auf ein Dreierrennen zwischen ihnen und dem Atom-Chefunterhändler Said Dschalili hinaus. Dschalili ist derzeit der aussichtsreichste Bewerber einer Gruppe religiöser Politiker, die sich in ihrer Loyalität zu Chamenei überschlagen. Selbst wenn Maschaie und Rafsandschani die Wahl verlieren sollten, dürfte es dem Obersten Führer trotz seiner Macht und der hinter ihm stehenden Revolutionsgarden schwerer fallen, einen genehmen Bewerber glatt ins Präsidentenamt zu hieven.

Ein offenes Rennen zwischen drei Bewerbern würden nämlich das Bild eines Iran beschädigen, der trotz der Sanktionen gegen sein Atomprogramm und seiner Unterstützung für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad über ein funktionierendes und harmonisches politisches System verfügt. Ein solcher Wahlkampf würde vor allem den tiefen Riss zwischen dem Reformlager Rafsandschanis und der konservativen Anhängerschaft Ahmadinedschads deutlich machen. Zudem träte die Kluft zwischen Chamenei und Rafsandschani wieder zutage.

Rivalität zwischen Chamenei und Ahmadinedschad

"Rafsandschani ist eine richtige Herausforderung. Durch eine Abkehr vom harten Kurs der letzten Jahre will er die Islamische Republik bewahren", beschreibt der Iran-Experte Farideh Farhi von der Universität Hawaii den Ex-Präsidenten. Rafsandschani war in seiner Amtszeit von 1989 bis 1997 wegen seiner Pläne zur Entspannung mit den Nachbarländern und zur Liberalisierung der Wirtschaft mehrmals mit Chamenei aneinandergeraten. Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit kam Rafsandschani freilich erst 2009 wieder, als er die Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl Ahamdinedschads unterstützte.

Die Bewerbung Maschaies ruft zudem die Rivalität zwischen Chamenei und Ahmadinedschad wieder in Erinnerung. Der Präsident hat wiederholt die Autorität des geistlichen Führers in Frage gestellt und ist seiner Amtsenthebung nur knapp entgangen. Durch Maschaies enge familiäre Bindung zu Ahmadinedschad - seine Tochter ist mit dem Sohn des Präsidenten verheiratet - stößt er auf tiefes Misstrauen im Lager Chameneis. Mit seiner Bewerbung hat der Konservative den absoluten Führungsanspruch des Spitzen-Ajatollahs herausgefordert. Die Anhänger des Obersten Führers sehen in Maschaie einen Mann, der eine abweichende Strömung im Islam verkörpert und die absolute Macht der Geistlichkeit untergraben will.

Marcus George/Reuters Reuters

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