Nahost-Konflikt Libanon-Krise beunruhigt die Weltgemeinschaft

Inmitten anhaltender Raketenangriffe in Nahost sind diplomatische Bemühungen zur Beilegung des blutigen Konflikts angelaufen. Gleichzeitig bereiteten verschiedene Nationen die Massenevakuierung tausender von Menschen vor.

Die israelische Außenministerin Zipi Liwni hat am siebten Tag der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Israel und der radikal-islamischen Hisbollah-Bewegung erstmals eine UN-Vermittlerdelegation getroffen. "Wir beginnen den diplomatischen Prozess parallel zu den Militäroperationen", sagte sie im Anschluss an die Begegnung in Jerusalem. Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora und der jordanische König Abdullah riefen zu einem "sofortigen Waffenstillstand" auf.

Bei neuen israelischen Angriffen wurden im Libanon mindestens 17 Menschen getötet. In Städten Nordisraels schlugen erneut mehr als ein Dutzend von der Hisbollah abgefeuerte Raketen ein. Es gab mehrere Verletzte. Ein Israeli kam in dem Seebad Naharia ums Leben.

Hilferuf an die Weltgemeinschaft

Liwni erklärte nach ihrer Unterredung mit den UN-Vermittlern, die diplomatischen Bemühungen hätten das "gemeinsame Verständnis" zur Grundlage, "dass die Hisbollah die Verantwortung für die Eskalation trägt". Ein Waffenstillstand sei "kein Ziel an sich". Der libanesische Ministerpräsident Siniora richtete am Dienstag einen erneuten Hilferuf an die Weltgemeinschaft. Der als pro-westlich geltende Regierungschef bat zudem die arabischen Regierungen um Unterstützung, "um einen sofortigen Waffenstillstand zu erreichen". Israel warf er Massaker an der libanesischen Zivilbevölkerung vor.

Die Bundesregierung unterstützt im Grundsatz die Aufstellung einer UN-Friedenstruppe zur Eindämmung der Gewalt im Nahen Osten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verwies am Dienstag - wie die Sprecher der Bundestagsfraktionen - darauf, dass der Vorschlag von UN-Generalsekretär Kofi Annan für eine Friedenstruppe noch weiter ausgearbeitet werden müsse. Dann könnten die Konfliktparteien - insbesondere die radikal-islamische Hisbollah und Israel - zur Zustimmung bewegt werden.

Hoffnung auf Beitrag der Europäer

In jedem Fall wird der Auswärtige Ausschuss des Bundestags am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um über die Lage zu beraten. Annan hatte am Dienstag in Brüssel seine Hoffnung auf Beiträge der Europäer zu einer Friedenstruppe bekräftigt.

Nach Militärangaben aus Beirut starben elf libanesische Soldaten, als die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag einen Stützpunkt der libanesischen Armee in Al-Dschamhur zehn Kilometer südöstlich von Beirut angriff. 40 weitere Soldaten wurden verletzt. Eine Frau, ihre zwei Töchter und ein Dienstmädchen aus Sri Lanka starben nach Angaben der Polizei bei einem Angriff in der Küstenstadt Tyrus. Bei einem israelischen Luftangriff auf die wichtigste Verbindungsstraße zwischen Libanon und Syrien wurden nach Augenzeugenberichten zwei Jordanier getötet. Über die Straße wird ein Großteil der Flüchtlinge aus dem Libanon in Sicherheit gebracht.

Flüchtlinge treffen ein

In Düsseldorf trafen am Dienstag 320 Flüchtlinge ein, die Mehrzahl deutsche Staatsbürger libanesischer Herkunft. Am Donnerstag soll noch einmal eine größere Gruppe nach Deutschland zurückgeflogen werden. Die USA, Großbritannien und Kanada bereiteten unterdessen eine Massenevakuierung von tausenden von Menschen vor. Kanada hat rund 40.000 Staatsbürger im Libanon, von denen sich bereits 25.000 für eine Ausreise registriert haben. Die USA schickten ein Kreuzfahrtschiff mit Platz für 750 Flüchtlinge nach Beirut. Rund 25.000 amerikanische Staatsbürger befinden sich gegenwärtig im Libanon. Mehrere Kriegsschiffe sollen die Evakuierung absichern.

Die Briten schickten sechs Kriegsschiffe in die Region. 22.000 Personen mit britischem Pass befinden sich in der Krisenregion. Teheran heizte den Konflikt am Dienstag verbal weiter an. Parlamentspräsident Gholam Hadad-Adel sagte, der Krieg gegen Israel habe gerade erst begonnen. Es handele sich um einen Krieg zur Befreiung des palästinensischen Volkes, sagte der Politiker, der auch der Vorsitzende der ultrakonservativen Abadgaran-Partei ist, die das Parlament beherrscht.

DPA/Reuters DPA Reuters

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