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Nahost-Krise: Hisbollah droht mit offenem Krieg

Dir Krise im Nahen Osten droht sich zu einem Krieg auszuweiten: Nachdem Israel angekündigt hatte, zu "jedem Schritt" bereit zu sein, droht der Chef der radikal-moslemischen Hisbollah, Sajjed Hassan Nasrallah, nun mit einem "offenen Krieg".

Die libanesische Hisbollah-Miliz hat Israel mit einem "offenen Krieg" gedroht. Damit reagierten die Moslem-Extremisten auf die Ausweitung der israelischen Luftangriffe, bei denen am Freitagabend auch der Wohnsitz des Hisbollah-Chefs Sajjed Hassan Nasrallah in Beirut getroffen wurde. Nasrallah drohte anschließend, den Krieg weit nach Israel hinein zu tragen.

"Du willst einen offenen Krieg. Wir werden einen offenen Krieg führen", sagte Nasrallah im TV-Sender der Hisbollah an die Adresse Israels gerichtet. Ein Schiff der israelischen Marine stehe bereits vor der Küste Beiruts in Flammen. "Es wird sinken und mit ihm ein Dutzend zionistische Soldaten." Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, das Schiff sei von zwei Raketen getroffen worden. Die israelische Armee erklärte, das Schiff sei nur leicht beschädigt. Dem arabischen Fernsehsender al Dschasira zufolge wurden jedoch vier Soldaten an Bord vermisst. In den Straßen Beiruts stimmten Anhänger Nasrallahs seinen Worten mit Luftschüsse und Hupkonzerten zu.

Kurz zuvor waren bei einem neuen Raketenangriff der Hisbollah auf den Norden Israels eine Frau und ein Kind getötet worden. In New York beriet der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) in einer Sondersitzung über die Lage. Die libanesische Regierung forderte das UN-Gremium auf, sich für eine Waffenruhe einzusetzen.

Israel verschärfte am dritten Tag seiner Libanon-Offensive die Blockade des Nachbarlandes. Nach der Isolierung über den Luft- und den Seeweg begann es damit, Hauptverkehrsstraßen zu unterbrechen und Versorgungseinrichtungen zu zerstören. US-Präsident George W. Bush, der am Vortag Israels Recht auf Selbstverteidigung betonte, sagte der libanesischen Regierung zu, sich für eine Mäßigung Israels einzusetzen.

Israelische Kampfflugzeuge flogen ihre dritte Angriffswelle innerhalb eines Tages auf einen südlich von Beirut gelegenen Vorort, in dem die Hisbollah mehrere Kommandostellen und ihre Medienbüros hat. Das Militär bestätigte nicht, dass Nasrallah Ziel der Angriffe gewesen sei. Eine Sprecherin sagte lediglich, es seien zwei Gebäude angegriffen worden, die von der Hisbollah-Führung genutzt worden seien.

Kurz zuvor hatte Israel allen internationalen Mahnungen zur Mäßigung zum Trotz die Fortsetzung der Militäroffensive im Libanon beschlossen. Die Armee sollte in der Nacht damit beginnen, die neu ausgemachte Ziele anzugreifen. Einzelheiten wurden nicht genannt. "Die Hisbollah greift unschuldige Bürger an, darunter Frauen und Kinder. Wir werden massive Maßnahmen einleiten, um sie zu verteidigen", sagte ein Regierungsvertreter. Israel begann seine Angriffe am Mittwoch, nachdem die Hisbollah-Miliz bei einem Überfall im Grenzgebiet zwei Soldaten verschleppt hatte. Im Gegenzug feuerte die Hisbollah zahlreiche Raketen auf den Norden Israels.

Auch am Freitag schlugen Hisbollah-Raketen in Nordisrael ein. Eine traf ein Haus, dabei wurden eine Frau und ein Kind getötet. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Damit wurden seit der Eskalation des Konflikts am Mittwoch vier Israelis bei Raketenangriffen getötet und mehr als 150 verletzt. Durch die neuen israelischen Luftangriffe kamen im Libanon fünf Menschen ums Leben. Damit stieg dort die Zahl der Todesopfer auf 66.

Israel will Libanon von Terroristen befreien

Israel erklärte vor dem UN-Sicherheitsrat, es versuche den Libanon von Terroristen zu befreien. Der libanesischen Regierung warf Israel vor, die Hisbollah insgeheim zu decken. Der Sicherheitsrat fordert seit zwei Jahren von der Regierung in Beirut, ihre Hoheit auch im Südlibanon durchzusetzen und die Hisbollah zu entwaffnen. Dazu war die Regierung aber bislang zu zerstritten. Die Hisbollah stellt selbst zwei Minister.

Im Gazastreifen zog die israelische Armee nach einem mehr als zweiwöchigen Einsatz wieder weitgehend aus dem Süden ab und verließ auch kürzlich besetzte Gebiete in der Mitte des Küstenstreifens. Auch hier ist ein israelischer Soldat entführt worden. Bei weiteren Luftangriffen starb ein Palästinenser. Dem israelischen Armeechef Dan Haluz zufolge sind die drei entführten Soldaten am Leben. Ihnen gehe es den Umständen entsprechend, sagte er in Jerusalem.

AP / AP