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Nahost: Mindestens zehn Tote bei Anschlag in Jerusalem

Bei einem Bombenanschlag in Jerusalem sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Zu dem Anschlag, bekannten sich die Al Aksa-Brigaden.

Ein palästinensischer Polizist hat einen Selbstmordanschlag auf einen Bus im Zentrum von Jerusalem verübt und dabei zehn weitere Menschen getötet. Etwas 50 Fahrgäste und Passanten wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Der Ort der Bluttat liegt nur 15 Meter entfernt von der Residenz des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon im Stadtteil Rehavia. Der Regierungschef befand sich auf seinem Landsitz im Süden Israels.

Zu dem Anschlag bekannten sich die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Der Täter war demnach ein 24-Jähriger aus Bethlehem, der der palästinensischen Polizei angehörte. Er hinterließ eine Nachricht, in der er seine Tat als Rache für den Tod von acht Palästinensern bezeichnet, die am Mittwoch bei einer israelischen Offensive im Gazastreifen ums Leben kamen. Die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden stehen in lockerer Verbindung mit der vom palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat geleiteten Fatah-Organisation.

Ein gewaltiger Sprengsatz

Der Täter zündete den gewaltigen Sprengsatz am Donnerstagmorgen kurz vor 9.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MEZ) im hinteren Teil des Busses, wie der Jerusalemer Polizeichef Mickey Levy mitteilte. Der Bus wurde völlig zerstört, die hintere Hälfte des Dachs wurde abgerissen.

Nach dem Anschlag sagte die israelische Regierung ein geplantes Treffen mit Vertretern der Palästinenser und des US-Außenministeriums ab. Scharons Sprecher Raanan Gissin sagte, der Anschlag mache deutlich, warum Israel einen Zaun zu den palästinensischen Gebieten im Westjordanland errichte. "Der Rest der Welt sollte sich zurückhalten und uns tun lassen, was zu unserer Verteidigung nötig ist", sagte Gissin zur internationalen Kritik am Bau der Sperranlagen.

Palästinensische Autonomiebehörde verurteilt Anschlag

Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte den Anschlag. "Dieser schreckliche Kreislauf kann nur mit der Erneuerung eines ernst gemeinten Friedensprozesses durchbrochen werden", sagte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat." Sonst gebiert Gewalt immer nur neue Gewalt."

Der Hamas-Funktionär Abdel Asis Rantisi hingegen äußerte sich positiv über den Anschlag, zu dem sich zunächst keine Organisation bekannte. "Es ist nicht wichtig, wer diese Operation ausgeführt hat", sagte Rantisi in Gaza. "Sehr wichtig ist allein, dass wir Besetzern Widerstand leisten, die gekommen sind, unser Land zu besetzen und unsere Leute zu töten."

Der schwertse Anschlag seit Oktober

Der Anschlag vom Donnerstag war der schwerste seit dem 4. Oktober vergangenen Jahres. Damals kamen beim Selbstmordanschlag einer Palästinenserin in einem Restaurant in Haifa 21 Menschen ums Leben. Der letzte Selbstmordanschlag in Israel liegt einen Monat zurück: Am 25. Dezember kamen in Tel Aviv vier Menschen ums Leben. Die ägyptische Regierung versucht bisher ohne Erfolg, die militanten Organisationen der Palästinenser zu einem Gewaltverzicht zu bewegen.

Der Europarat in Straßburg verurteilte den Anschlag als "gedankenlosen und willkürlichen Akt der Gewalt. Generalsekretär Walter Schwimmer rief Israel und die Palästinenser dazu auf, "sich vom Abgrund zu entfernen".