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NAHOST: Terror »nie dagewesenen Ausmaßes«

Die radikal-islamische Hamas-Bewegung hat Israel mit Racheaktionen gedroht. Die Gruppe werde »sicherstellen, dass keiner unserer Führer ungestraft zum Märtyrer wird«.

Die radikal-islamische Hamas-Bewegung hat Israel mit Racheaktionen »nie dagewesenen Ausmaßes« gedroht. Der militärische Hamas-Arm »Issedin el Kassam« veröffentlichte die Drohungen als Reaktion auf einen israelischen Raketenangriff auf ein Gebäude in der Ortschaft Tubas, bei dem am Vortag sechs Hamas-Aktivisten getötet worden waren.

Intensive militärische Kurse

Auf der Internet-Seite der radikalen Palästinenser-Gruppe hieß es unter anderem, die Strafe werde »eine ganz neuartige sein«, wie sie in Israel »noch nie gesehen wurde«. Hamas gelobte, »die zionistische Einheit zu zerstören«. Aktivisten der Bewegung würden gegenwärtig in »intensiven militärischen Kursen« unterrichtet, um »Scharon eine Lektion zu erteilen«. Die Gruppe werde »sicherstellen, dass keiner unserer Führer ungestraft zum Märtyrer wird«.

Ranghoher Hamas-Führer getötet

Bei dem Raketenangriff in Tubas war ein ranghoher Hamas-Führer getötet worden. Nach Angaben Israels war er für den Selbstmordanschlag in Netanja verantwortlich, bei dem vor zehn Tagen 26 Israelis getötet wurden. Hamas ist grundsätzlich gegen eine friedliche Lösung des Konflikts mit Israel, dessen Existenzrecht die Gruppe nicht anerkennt.

Keine Telefonverbindung zu Arafat

Unterdessen ist die Telefonverbindung zu dem in Ramallah eingeschlossenen palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat ist nach Angaben der Autonomiebehörde zusammengebrochen. Regierungsmitglieder hätten seit Freitagabend keinen Kontakt mehr aufbauen können, sagte Kabinettsekretär Ahmed Abdel Rahman am Samstag. Allen internationalen Interventionen zum Trotz hielt die Gewalt unvermindert an. Die USA schwächten unterdessen ihre Forderungen an Israel ab.

Für die abgeschnittene Telefonverbindung machte Abdel Rahman Israel verantwortlich. Der Strom sei abgeschaltet worden, Mobilfunksignale würden gestört. Die israelische Armee bestätigte, dass der Strom ausgefallen sei, wies die Verantwortung dafür aber zurück.

Werden Sprengstoffgürtel verteilt?

In Nablus und nahe gelegenen Flüchtlingslagern gingen die Gefechte auch am Samstag weiter. Nach Angaben der radikalen Hamas-Bewegung wurden bei nächtlichen Kämpfen im Lager Dschenin 15 Palästinenser getötet. Militante Organisationen hätten mit der Verteilung von Sprengstoffgürteln und Granaten an die eingeschlossenen Lagerbewohner begonnen, sagte ein Hamas-Sprecher. Eine Frau habe sich in die Luft gesprengt, als israelische Soldaten sich ihrem Haus genähert hätten. Dabei seien auch Soldaten verletzt oder getötet worden.

Anschlag verhindert

Ebenfalls in Dschenin verhinderten die israelischen Truppen eigenen Angaben zufolge einen Selbstmordanschlag. Die Soldaten schossen auf einen Palästinenser, der Sprengstoff an seinem Körper getragen habe. Bei der folgenden Explosion wurde der mutmaßliche Attentäter getötet.

Viele Brennpunkte

In der Nähe von Nablus wurden vier Palästinenser von Soldaten erschossen. Die Männer hätten Sprengsätze auf einer Straße verteilt, erklärten die Streitkräfte. Nur wenige Stunden zuvor sprengte sich nach palästinensischen Angaben ein 22-Jähriger in der Nähe einiger israelischer Soldaten in die Luft. Vier Israelis seien verletzt oder getötet worden. Die israelische Armee dementierte den Bericht.

Geburtskirche weiter belagert

Die Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem dauerte weiter an. Soldaten durchsuchten Privathäuser in der Umgebung. Auch im Gazastreifen wurden bei einem Überfall militanter Palästinenser auf eine jüdische Siedlung ein Soldat und die beiden Angreifer getötet, wie die Armee berichtete. Der Islamische Dschihad bekannte sich zu dem Angriff.

Bush entzieht Arafat das Vertrauen

Nach seiner jüngsten Forderung nach einem israelischen Rückzug distanzierte sich US-Präsident George W. Bush derweil erneut in deutlichen Worten von Arafat. Der palästinensische Präsident habe wiederholt seine Versprechen zur Eindämmung der Gewalt gebrochen und habe sich damit das Vertrauen der USA nicht verdient, sagte Bush am Freitag.

Kein Treffen Powell-Arafat

Auf seiner für Anfang kommender Woche angekündigten Vermittlungsmission soll sich US-Außenminister Colin Powell nach den bisherigen Plänen nicht mit Arafat treffen. Der palästinensische Kabinettsekretär Abdel Rahman betonte jedoch am Samstag, die Palästinenser seien nur zu Gesprächen mit Powell bereit, wenn dieser sich mit Arafat treffe.

Die Forderungen an Israel schwächte das Weiße Haus weiter ab. Bushs Sprecher Ari Fleischer sagte, Israel brauche Zeit, um die Erwartungen Bushs einzuschätzen. Am Freitagabend telefonierte Powell nach Angaben aus dem Kreml mit seinem russischen Kollegen Igor Iwanow, um über mögliche gemeinsame Friedensbemühungen zu beraten.