Nahostkonflikt Israel bietet Feuerpause an


Nach der verheerenden Bombadierung des libanesischen Ortes Kana hat Israel eine 48-stündige Feuerpause angekündigt - und sich vorbehalten, auf Angriffe der Hisbollah sofort zu reagieren. Der UN-Weltsicherheitsrat einigte sich darauf, Israels Militärschlag zu "missbilligen", aber nicht zu "verurteilen.

Israel hat eine 48-stündige Aussetzung seiner Luftangriffe auf Ziele im Südlibanon angekündigt. Das bestätigte am Sonntagabend ein Vertreter des Außenministeriums in Jerusalem. In dieser Zeit solle der israelische Luftangriff auf den Ort Kana im Südlibanon untersucht werden, bei dem am frühen Sonntagmorgen fast 60 Menschen getötet worden waren. Außerdem solle es den Bewohnern des Südlibanon ermöglicht werden, dass Kampfgebiet zu verlassen. Die Entscheidung der israelischen Regierung für die Feuerpause sei am Sonntagabend in Gesprächen mit US-Außenministerin Condoleezza Rice getroffen worden.

Wie der Sprecher Außenministeriums in Jerusalem weiter mitteilte, behalte sich Israel auch innerhalb des 48-Stunden-Fensters das Recht vor, Stellungen der radikal-islamischen Hisbollah anzugreifen, sollten von dort aus Rakten auf Israel abgefeuert werden. Laut Berichten libanesischer Sicherheitskreisen hätten israelische Kampfflugzeuge auch in der Nacht zum Montag mutmaßliche Guerilla-Stellungen im östlichen Libanon angegriffen. Das Ziel habe sich bei dem Dorf Janta nahe der syrischen Grenze befunden. Die israelische Armee hat die Berichte dementiert. Eine Armeesprecherin sagte, die Angriffe hätten sich vor Inkrafttreten der Erklärung ereignet. Die Aussetzung der Luftangriffe gelte seit 02.00 Uhr Ortszeit (01.00 Uhr MESZ). Die letzten Angriffe im Libanon seien um Mitternacht geflogen worden. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, Israel wolle gleichzeitig seine Bodenangriffe ausweiten. Die Mobilisierung weiterer Reservisten sei im Gange.

Freier Abzug für Einheimische

"Israel hat einer 48-stündigen Aussetzung seiner Luft-Aktivitäten im Südlibanon zugestimmt, während der es den tragischen Zwischenfall in Kana untersuchen wird", sagte auch US-Außenamtssprecher Adam Ereli in Jerusalem. Darin sei auch ein 24-stündiges Zeitfenster enthalten, in dem "allen Bewohnern des Südlibanon, die diesen verlassen wollen, ein sicherer Abzug gewährt wird". Die US-Regierung begrüße diese Entscheidungen und hoffe, dass dadurch das Leid der Kinder und Familien im Südlibanon gelindert werde, sagte Ereli.

US-Präsident George W. Bush drückte dem libanesischen Volk sein Bedauern über die Toten von Kana aus. "Amerika trauert um den Verlust unschuldigen Lebens", sagte der Präsident am Sonntagabend in Washington. Die Situation im Nahen Osten mache deutlich, "dass wir alle zusammenarbeiten müssen, um einen tragfähigen Frieden zu erreichen".

Die USA seien "fest entschlossen, zusammen mit den Mitgliedern des Weltsicherheitsrates eine Resolution zu erarbeiten, die der Region einen tragfähigen Frieden ermöglichen wird - einen Frieden, der hält, einen Frieden, der Müttern und Vätern erlaubt, ihre Kinder in einer hoffnungsvollen Welt großzuziehen", sagte Bush.

Sicherheitsrat "schockiert und erschüttert"

In der offiziellen Erklärung des Weltsicherheitsrats, die am späten Montagabend vom amtierenden Ratspräsidenten Jean-Marc de La Sablière verlesen wurde, kündigte das höchste UN-Gremium an, jetzt zügig an einer dauerhaften Lösung der Krise zu arbeiten. Er sei "besorgt über die Gefahr einer weiteren Eskalation der Gewalt und ihre Folgen für die humanitäre Situation", hieß es.

Um den Text hatte der Rat mehr als sechs Stunden gerungen. Nachdem er vom amtierenden Ratspräsidenten Jean-Marc de La Sablière verlesen worden war, bekräftigten mehrere Diplomaten ihre Zufriedenheit. Libanons Sonderbotschafter Nouhad Mahmoud begrüßte vor allem die Zusage des Sicherheitsrates, im Libanonkonflikt "jetzt aktiv werden" zu wollen.

USA verhindern Verurteilung

Zu dem israelischen Luftangriff auf Kana äußerte sich der Rat "extrem schockiert und erschüttert". Er enthielt sich auf Druck der USA aber einer Verurteilung des folgenschweren Angriffs, der wenigstens 56 Menschen tötete, unter ihnen 37 Kinder. Stattdessen "missbilligt" der Weltsicherheitsrat ganz allgemein "den Verlust unschuldiger Menschenleben und das Töten von Zivilisten im gegenwärtigen (Libanon-)Konflikt".

Vertreter Russlands und Frankreichs erklärten nach der Sitzung vor Journalisten, dass sie eine klare Verurteilung des Angriffs und die Forderung nach einer sofortigen Waffenruhe vorgezogen hätten.

DPA DPA

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