Nahostkonflikt Kämpfe lassen Hoffnung auf Frieden schwinden


Mit Angriffen auf israelische Ziele fordern radikale Palästinenser den moderaten Präsidenten Mahmud Abbas heraus. Israels Armee reagierte mit Luftangriffen.

Zum ersten Mal seit der Wahl von Mahmud Abbas zum palästinensischen Präsidenten kam es auf beiden Seiten zu Angriffen. Die israelischen Streitkräfte beschossen mit Kampfhubschraubern am Mittwochmorgen ein Ziel südlich der Stadt Gaza mit zwei Raketen, wie palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten. Ein israelischer Militärsprecher sprach von einer "begrenzten Operation". Angaben zu Opfern sind noch nicht bekannt .

Nach dem Luftangriff stießen israelische Panzer für kurze Zeit in die Stadt Gaza vor. Dabei kam es nach Augenzeugenberichten zu einer Schießerei. Israelische Soldaten verhafteten anschließend vier Palästinenser, ein Mann wurde leicht verletzt. Nach Angaben der israelischen Armee sei bei dem gezielten Zugriff auf mutmaßliche Extremisten bei Gaza-Stadt auch ein gesuchtes Mitglied der israelfeindlichen Palästinensergruppe Hamas gefasst worden.

Radikale Palästinenser töteten unterdessen, nach Angaben der israelischen Armee, bei einem Überfall im Gaza-Streifen einen Zivilist. Zudem seien bei dem Vorfall nahe der jüdischen Siedlung Morag drei Soldaten verletzt worden. Zu der Tat bekannte sich die Extremistengruppe Islamischer Dschihad.

Annäherung zwischen Scharon und Abbas

Am Tag zuvor hatten gewalttätige Palästinenser bereits ihre Raketenangriffe auf israelische Ziele fortgesetzt und damit den neu gewählten Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas herausgefordert. Der moderate Politiker verlangt ein Ende des bewaffneten Kampfes gegen Israel. Seine Wahl am Sonntag hatte Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des Friedensprozesses ausgelöst. Am Dienstag war diese Hoffnung greifbar nah. Während eines Anrufs gratulierte Israels Regierungschef Ariel Scharon Abbas zu seinem Wahlsieg und erklärte dabei seine Bereitschaft zu einem persönlichen Treffen. An das Treffen knüpfte Scharon, Medienberichten zufolge, allerdings die Bedingung, dass Abbas entschlossen gegen militante Palästinenser vorgehen solle. Im Gegenzug werde Israel palästinensischen Polizisten das Tragen von Waffen in den Städten im Westjordanland erlauben, berichteten israelische Zeitungen. Eine Zusammenkunft der beiden Politiker wäre das erste israelisch-palästinensische Spitzentreffen seit eineinhalb Jahren.

Colin Powell zeigt sich besorgt

Auch der amerikanische Präsident Colin Powell gratulierte Abbas am Dienstagabend telefonisch zu seinem Wahlsieg. Zuvor führte er nach Angaben seines Sprechers Richard Boucher auch Telefongespräche mit dem israelischen Außenminister Silvan Schalom und dem neuen stellvertretenden Ministerpräsidenten Schimon Peres. "Wir werden damit fortfahren, den Prozess zwischen den beiden Parteien zu unterstützen", sagte Boucher. Dazu gehöre auch die Stärkung der palästinensischen Sicherheitskräfte im Westjordanland und im Gazastreifen, um die militanten Kräfte unter Kontrolle zu bringen.

Powell sagte in einem Interview des Fernsehsenders Fox, einige Bemerkungen von Abbas im Wahlkampf seien besorgniserregend und verstörend gewesen. "Das werden wir direkt mit Herrn Abbas ansprechen", sagte Powell. Der PLO-Chef hatte vor der Wahl am vergangenen Sonntag Israel als "zionistischen Feind" bezeichnet.

AP/DPA AP DPA

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