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Neue Afghanistan-Richtlinie: Helfen statt Schießen

Kurswechsel in Afghanistan: Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal hat seine Soldaten aufgefordert, ihr Denken und Handeln zu ändern. Die Truppe solle sich künftig mehr um das Wohl der Bevölkerung kümmern als um die Jagd auf Militante.

Mit einer "Richtlinie zur Aufstandsbekämpfung" will der Kommandeur der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf seine Soldaten auf einen neuen Kurs einschwören. "Verdient Euch die Unterstützung der Menschen, und der Krieg ist gewonnen, unabhängig davon, wie viele Militante getötet oder gefangen werden", heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Papier von US-General Stanley McChrystal.

"Wir müssen ganz anders denken und handeln, um Erfolg zu haben", fordert McChrystal. 95 Prozent der Zeit müssten darauf verwendet werden, Beziehungen zu den Menschen aufzubauen. "Richtet Euer Augenmerk auf die Menschen, nicht auf die Militanten."

McChrystal betont in der Richtlinie, die Isaf werde nicht einfach dadurch gewinnen, dass sie Aufständische tötet. Die Soldaten müssten die Art und Weise ändern, in der sie denken, handeln und operieren. "Wir müssen die Menschen verstehen und Dinge durch ihre Augen sehen. Es sind ihre Ängste, Frustrationen und Erwartungen, die wir ansprechen müssen", so der General.

"Wir werden den Afghanen zum Sieg verhelfen, indem wir sie sichern, sie vor Bedrohung, Gewalt und Missbrauch schützen, und indem wir in einer Art und Weise operieren, die ihre Kultur und Religion respektiert", erklärte McChrystal. Das internationale Engagement habe die Erwartungen der Afghanen bislang nicht erfüllt.

ISAF nimmt Taliban-Führer in Klinik gefangen

Ausländische und afghanische Truppen haben unterdessen nach einem Feuergefecht in einem Krankenhaus einen verwundeten Taliban-Anführer gefangen genommenn. Bei dem Angriff auf die Klinik seien zwölf Aufständische getötet worden, erklärte das Isaf-Kommando in Kabul.

Der Mitteilung zufolge wurde der Taliban-Kommandant Mullah Muslim in dem Krankenhaus in der Provinz Paktika behandelt, nachdem er bei einem Gefecht am Tag der Präsidentenwahl am 20. August verwundet worden war. Als Soldaten der afghanischen Armee das Hospital erreichten, seien sie beschossen worden. Dabei sei ein Soldat getötet worden. Ein Sprecher der Provinzregierung bestätigte, Mullah Muslim sei gefangen genommen und zwölf seiner Kämpfer getötet worden.

Nach Angaben des afghanischen Verteidigungsministeriums wurden am Wahltag 135 Gewalttaten im Zusammenhang mit den Taliban registriert. Dabei starben den Angaben zufolge 26 Menschen, davon neun Zivilisten. Nach der Auszählung von 17 Prozent der Stimmen der Wahl liegt Amtsinhaber Hamid Karsai mit 43 Prozent vor seinem wichtigsten Herausforderer, dem ehemaligen Außenminister Abdullah Abdullah, der auf 34 Prozent der Stimmen kommt. Mit einem Endergebnis wird erst Anfang September gerechnet.

AP/Reuters / AP / Reuters
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