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Neue Afghanistan-Strategie: Taliban verschmähen Verhandlungen mit dem Westen

In der Theorie ist die neue Strategie der Alliierten schön: Wir reden mit den Taliban, finden Kompromisse, ziehen unsere Truppen ab. Immer deutlicher zeigt sich aber, dass die Taliban gar nicht verhandeln wollen - sie sehen sich auch so auf der Siegerstraße.

Kaum verkündet, droht die neue Afghanistan-Strategie des Westens bereits zu scheitern. Derzeit treiben westliche Staaten zwar Friedenverhandlungen mit den Taliban voran, um die Voraussetzungen für den Abzug ihrer Truppen zu schaffen. Die radikal-islamischen Aufständischen zögern jedoch mit einer Antwort auf die Bemühungen ihrer Kriegsgegner um einen Ausgleich.

In UN-Kreisen hieß es, es habe ein geheimes Treffen gegeben, um Verhandlungen vorzubereiten. Bereits am 8. Januar habe sich der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Kai Eide, mit Vertretern der Taliban in Dubai getroffen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Eide wollte sich nicht dazu äußern, ob es ein solches Treffen gegeben hat. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, ihm sei nichts dergleichen bekannt.

Auch der afghanische Präsident Hamid Karsai sucht eine Verhandlungslösung in dem seit 2001 andauernden Konflikt. Allerdings erklärten die Taliban am Freitag, noch nicht über eine Teilnahme an Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung entschieden zu haben. Die Taliban-Führer würden darüber aber bald befinden, sagte ein Sprecher der Extremistenorganisation.

Taliban kaum zu Zugeständnissen bereit

In der Vergangenheit hatten die Taliban stets betont, erst nach Abzug aller ausländischen Truppen in Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung einzutreten. Experten für die Region meinten, die Taliban wären zu Zugeständnissen nicht bereit, solange sie davon ausgingen, den Konflikt zu gewinnen.

Auf ihrer Afghanistan-Konferenz in London am Donnerstag hatten die Alliierten auch eine massive Aufstockung der Nato-Truppen und eine deutliche Erhöhung der zivilen Wiederaufbaumittel beschlossen. Außerdem soll in einem internationalen Fonds Geld für die Rückkehr der Taliban ins zivile Leben eingezahlt werden. Die USA und Deutschland wollen 2011 mit dem Rückzug erster Truppen beginnen.

Bei Gefechten im Norden Afghanistans wurde unterdessen ein deutscher Soldat schwer verletzt. Auch in der Hauptstadt der Provinz Helmand, Lashkar Gar, lieferten sich Sicherheitskräfte am Freitag heftige Kämpfe mit einem schwerbewaffneten Taliban-Kommando. Auf dem Dach eines Hotel-Rohbaus verschanzten sich mehrere Angreifer, die Sprengstoffwesten trugen. Sie wurden aus Kampfhubschraubern beschossen. Im Laufe des stundenlangen Gefechts wurden sieben Taliban getötet und vier Angehörige der afghanischen Armee verletzt.

Reuters/AP / AP / Reuters