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Vor den Zwischenwahlen Niederlage nur durch Wahlbetrug? Sogar ein Viertel der US-Demokraten geht davon aus

Wähler-Proteste in Arizona
"Vote Blue not Coup" ("Wählt Blau [für die Demokraten], nicht den Putsch"): Eine große Minderheit der US-Amerikaner:innen hält bei einer Wahlniederlage der eigenen Partei einen Betrug für wahrscheinlich.
© Mario Tama / Getty Images / AFP
Mit fairen Wahlen wird in Demokratien üblicherweise der Mehrheitswille ermittelt. Doch davon ist eine nennenswerte Gruppe US-Amerikaner nicht mehr überzeugt. Das gilt nicht nur für Trump-trunkene Republikaner, sondern auch für etliche Demokraten.

Donald Trump hat offenbar ganze Arbeit geleistet. Seit er als US-Präsident abgewählt wurde, hält er das Narrativ aufrecht, die Wahl sei ihm gestohlen worden. Hinweise, geschweige denn Beweise, konnte er nicht vorbringen. Entsprechende Klagen scheiterten allesamt vor den Gerichten. Und doch höhlt steter Tropfen den Stein. Inzwischen wittern nicht nur beinharte Trump-Anhänger bei Wahlen generell Betrug durch die Gegenseite, sollte es zu einer Niederlage kommen, auch im demokratischen Lager hat sich eine grundlegende Skepsis gegenüber Wahlen festgesetzt.

Das geht aus einer repräsentativen Befragung des internationalen Marktforschungsinstituts Ipsos für die US-Nachrichtenseite "Axios" hervor. Auf die Frage "Sollte Ihre Partei nicht die Kontrolle über den Kongress gewinnen, wie wahrscheinlich ist es, dass Sie Wahlbetrug dafür verantwortlich machen?" antworteten 39 Prozent der Anhänger:innen der Republikaner, dass dies wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich sei. Diese Zahl überraschte die Marktforscher kaum – nach zwei Jahren anhaltender Behauptungen republikanischer Politiker, die Wahl 2020 sei Donald Trump "gestohlen" worden. Aufhorchen ließ sie aber, dass auch im Lager der demokratischen Partei bei einer Wahlniederlage ein Viertel von Betrug der Gegenseite ausgehen würde. Dies zeige, dass die "Große Lüge von 2020" lebe und sich in ein breiteres Misstrauen gegen demokratische Institutionen und Wahlen wandele. Ein Trend, der sich zudem verfestige, heißt es in dem Ipsos-Bericht.

Wahlbetrug: Mangel an Kontakten zu Menschen anderer Ansicht

Das Institut hatte mit Blick auf die Zwischenwahlen Anfang November gefragt. Es ist die erste Wahl zum US-Kongress seit der Abwahl von Donald Trump und dem Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021. Die Marktforscher erhielten dabei unter anderem den Eindruck, dass die Spaltung von Politik und Gesellschaft in den USA bereits weit fortgeschritten ist. Sogar einfache Kontakte außerhalb der gleichgesinnten Gruppe werden der Befragung zufolge immer seltener. Der Mangel an Verbindungen "über den Gang hinweg" lasse großen Spielraum für Verschwörungstheorien und den Glauben an die "Große Lüge", konstatiert Chris Jackson, Vize-Präsident von Ipsos. So verfestigten sich Meinungen, weil sie auf Personen projiziert würden, die man nie getroffen habe.

Dabei brauche es wenig, um diese Verfestigung zu erschüttern oder aufzulösen. Die Umfrage ergab, dass Amerikaner:innen, die im vergangenen Monat auch nur einmal eine Mahlzeit mit Menschen aus anderen politischen Zusammenhängen geteilt hatten, deutlich skeptischer gegenüber voreiligen Schlussfolgerungen und unbewiesenen Wahlbetrugs-Behauptungen waren. Wer Verbindungen zu Menschen mit anderen Sichtweisen habe, "folgt viel seltener irgendwelchen 'Verrückten', oder unterstützt sie sogar", so Jackson.

Laut Umfrage enges Rennen bei den Midterms

Für die Midterms zeichnet sich der Umfrage zufolge ein enges Rennen ab. 35 Prozent der Befragten gaben demnach an, demokratische Kandidat:innen unterstützen zu wollen, 31 Prozent wollen Republikaner:innen wählen. Ein Drittel der Wahlberechtigten blickt mit Hoffnungen auf die Wahlen, zwei Drittel dagegen eher mit Angst. Rund 43 Prozent der Befragten fanden, dass Ex-Präsident Donald Trump zu Unrecht vom anderen politischen Lager angegangen werde; 45 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Erwartungsgemäß bewegten sich diese Meinungsäußerungen entlang der Parteigrenzen, so Ipsos.

Quellen: Ipsos-Befragung, "Axios"

dho

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