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Nord- und Südkoreaner: Ein letztes Wiedersehen vor dem Tod

Viele Tränen bei den lang ersehnten Familientreffen der Nord- und Südkoreaner: Erstmals seit Jahrzehnten durften sich Angehörige nun wiedersehen. Für einige wird es das letzte Mal sein.

Besuche bei ihren Verwandten im Norden waren Südkoreanern in den vergangenen drei Jahren nicht erlaubt. Zehntausende warteten jedoch bereits seit Jahrzehnten auf ein Treffen mit ihren Familien. Nun haben einige Süd- und Nordkoreaner ein tränenreiches Wiedersehen gefeiert.

Väter und Söhne, Mütter und Töchter, getrennte Geschwister und Ehepaare: bis zu 61 Jahre lang sind Familienangehörige Nord- und Südkoreas voneinander getrennt. Durch die Landesteilung wurden zahllose Familien mit dem Ende des Koreakriegs 1953 auseinandergerissen. Die Wiedersehens-Treffen begannen am Donnerstag an der Ostküste Nordkoreas und sind auf nur wenige Tage beschränkt. 82 Südkoreaner wurden mit Bussen über die schwer bewachte Grenze gebracht und in einem Hotel von rund 180 Verwandten aus dem Norden erwartet.

Fotos statt gemeinsamer Erlebnisse

Die Verwandten lagen sich in den Armen und weinten, brachten viele Fotos mit und zeigten einander so neue Freunde - oder inzwischen verstorbene Verwandte. "Ich hätte nie gedacht, dass es so lange dauern wird", sagte die 88 Jahre alte Lee Sun Hyang aus Südkorea nach den südkoreanischen Berichten zu ihrem Bruder aus dem Norden. Für viele Teilnehmer ist es die letzte Chance, ihre Liebsten noch einmal zu sehen. Noch nicht einmal der Kontakt per Brief, E-mail oder Telefon über die abgeriegelte Grenze hinweg ist möglich.

Offiziell sind Nord- und Südkorea noch immer im Krieg. Zuletzt hatten beide Staaten jedoch versucht, ihre Beziehung zu verbessern. Das Begegnungsprogramm für Familien gibt es seit dem Jahr 2000, in den vergangenen paar Jahren wurde es jedoch unterbrochen. Nach den heftigen Spannungen sind die Treffen nun ein Zeichen für die Bemühungen um eine Wiederannäherung beider Seiten.

Lange Wartelisten, willkürliche Losverfahren

72.000 Südkoreaner stehen auf einer offiziellen Warteliste für die begehrten Familienzusammenführungen. Ausgewählt werden sie per Los. Vor allem für ältere Koreaner drängt die Zeit, wenn sie engste Angehörigen aus Nordkorea noch einmal wiedersehen wollen.

Der 66 Jahre alte Kim Myong Bok aus Südkorea brachte seiner ein Jahr älteren Schwester aus dem Norden die letzten Worte ihres Vaters. "Bevor er 2004 starb, sagte er, dass er seine älteste Tochter vermisst und es ihm leid tut, dich zurückgelassen zu haben." Die Tochter reagierte mit Tränen; 1951 wechselte ihre Familie die Seiten, nur sie blieb zurück. Einige der Teilnehmer aus dem Süden wurden aufgrund ihrer Gebrechlichkeit von jüngeren Familienmitgliedern begleitet.

Der 93-jährige Südkoreaner Kang Neung Hwan sah seinen heute 64 Jahre alten Sohn zum ersten Mal. Als Kang 1951 den Norden verließ, wusste er nicht einmal, dass seine Frau schwanger war.

Bis Samstag dürfen sich die Verwandten sehen, umarmen und Geschichten erzählen. In einer zweiten Runde sollen am Sonntag 360 Südkoreaner nach Nordkorea gebracht werden, um dort 88 ältere Verwandte zu treffen.

jen mit DPA
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